Wenn man auf Ibiza nach dem perfekten Blick auf die Felseninsel Es Vedrà sucht, landet man unweigerlich beim Torre d’es Savinar. Meistens völlig verschwitzt und mit einer feinen Schicht aus rotem Staub auf den Schuhen. Der Turm, den die Einheimischen oft einfach Torre des Pirata nennen, thront auf einer Klippe, an der der Wind fast immer ordentlich zerrt. Es ist kein bequemer Aussichtspunkt mit gepflasterter Promenade, und genau das macht seinen Reiz aus.
Ein steinernes Relikt aus der Piratenzeit
Gebaut wurde der Wachturm im späten 18. Jahrhundert. Damals war er Teil eines ganzen Netzwerks entlang der Küste, um die Insel vor Piratenangriffen zu warnen. Die Wachen saßen hier oben, hielten Ausschau nach unerwünschten Segeln und gaben notfalls Feuersignale an die Nachbartürme bei Cap des Jueu und Es Cubells weiter. Heute ist die massive Holztür im Erdgeschoss fest verschlossen. Wer auf ein kleines Museum im Inneren hofft, steht vor verriegelten Riegeln. Aber seien wir ehrlich: Man klettert nicht wegen der Architektur hier hoch, sondern wegen der schroffen Klippe, auf der das Bauwerk steht.
Der Aufstieg: Staub, Pinien und scharfer Kalkstein
Es gibt zwei Wege zum Turm. Beide erfordern ein bisschen Trittsicherheit und Toleranz für Hitze.
- Vom Strand Cala d’Hort: Der klassische Weg. Man parkt unten am Strand – was im August bedeutet, dass man gut und gerne 20 Minuten kreist, um eine Lücke für den Mietwagen zu finden – und läuft dann Richtung Westen. Der Pfad ist eigentlich nicht zu verfehlen. Es geht durch trockene Pinienwälder und knorrige Wacholderbüsche stetig bergauf. Rechnen Sie mit etwa 25 Minuten Fußmarsch, bei denen einem die Sonne gnadenlos in den Nacken brennt.
- Über die Schotterpiste: Wer weniger laufen will, nimmt die Abzweigung an der Straße zwischen Cala d’Hort und Cap des Jueu. Dort gibt es eine unbefestigte Fläche, von der aus man den Turm in knapp zehn Minuten erreicht. Die Kehrseite: Der Weg dorthin ist voller tiefer Schlaglöcher. Wenn Sie einen tiefergelegten Wagen oder Angst um den Unterboden haben, drehen Sie lieber um. Und bitte: Parken Sie so, dass die Anwohner mit ihren Pick-ups noch durchkommen. Nichts nervt die Einheimischen mehr als blockierte Zufahrtswege.
Ein ernstgemeinter Rat: Lassen Sie die Flip-Flops im Auto. Der Kalkstein auf dem letzten Stück vor dem Turm ist rasiermesserscharf und vom Staub extrem rutschig. Turnschuhe mit Profil sind das absolute Minimum. Bringen Sie außerdem eigenes Wasser mit. Oben gibt es keinen Schatten und ganz sicher keinen Kiosk, der Ihnen für fünf Euro eine kalte Cola verkauft.
Warum sich die Kletterei lohnt
Wenn man schließlich oben an der Kante steht, fällt der Blick sofort auf Es Vedrà. Der fast 400 Meter hohe Kalksteinfelsen ragt so massiv und nah aus dem Wasser, dass man unwillkürlich stehen bleibt. Links unten liegt die Bucht von Cala d’Hort mit dem feinen Sand. Touristenführer erzählen hier gerne esoterische Geschichten von UFO-Sichtungen, Nymphen und starken magnetischen Störfeldern, die Kompasse verrücktspielen lassen. Die meisten Ibizenkos lächeln darüber nur müde. Fakt ist aber: Wenn der Wind über die Kante pfeift und die Nachmittagssonne das Meer in ein tiefes Dunkelblau taucht, braucht man keinen Mythos, um die Wucht dieses Ortes zu spüren.
Praktische Tipps für den Besuch
Wann man gehen sollte: Im Juli und August ist der Sonnenuntergang hier oben fast wie ein kleines Festival. Dutzende Leute sitzen mit Smartphones und Bluetooth-Boxen auf den Steinen. Wenn Sie Ruhe suchen, kommen Sie zwischen November und Mai. Im Hochsommer lohnt sich der Wecker: Wer um acht Uhr morgens hier steht, hat das Rauschen des Meeres und den Wind fast für sich allein.
Anreise: Von Ibiza-Stadt brauchen Sie mit dem Auto gut 30 Minuten. Verlassen Sie sich für den Rückweg bloß nicht auf Taxis. Das Handynetz ist auf der Klippe zwar überraschend gut (meistens volles LTE), aber kaum ein Fahrer hat Lust, sich abends im Dunkeln über die staubigen Zufahrtswege zu quälen, um jemanden abzuholen. Ein eigener Mietwagen ist Pflicht.
Für Fotografen: Die klassische Postkartenperspektive gelingt am besten mit einem Weitwinkelobjektiv. Wer Es Vedrà richtig bedrohlich und groß wirken lassen will, schraubt ein leichtes Teleobjektiv (etwa 70mm bis 100mm) auf die Kamera. Wenn Sie in der Dämmerung mit Stativ arbeiten, beschweren Sie es ordentlich. Die Böen an der Klippenkante kommen oft aus dem Nichts und haben schon so manche Ausrüstung auf den Fels knallen lassen.
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Fotografie: Alejandro Vallejo Ortega, via Wikimedia Commons
