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Puig des Molins: Ibizas antike Totenstadt hinter dem Bauzaun

Wenn man im August mittags die Via Romana hochläuft, klebt das T-Shirt schnell am Rücken. Die meisten Leute biegen vorher Richtung Portal de ses Taules ab, um sich durch die Gassen der Altstadt Dalt Vila zu schieben. Wer aber die paar steilen Meter weitergeht, steht plötzlich vor etwas, das im lauten, modernen Ibiza komplett aus dem Rahmen fällt: einer karthagischen Totenstadt. Der Puig des Molins, der „Mühlenhügel“, ist staubig, flirrt vor Zikadenlärm und ist durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Über 3.000 Gräber aus der Zeit um 600 v. Chr. liegen hier im Kalkstein verborgen.

Eine raue Landschaft aus roter Erde und Fels

Auf dem Gelände gibt es keine gepflegten Wege oder aufwendige Inszenierungen. Der Hügel ist eine karge Landschaft aus roter Erde, dornigem Gestrüpp und ein paar knorrigen alten Olivenbäumen. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man überall rechteckige, grob in den Fels gehauene Schächte. Das sind die Zugänge zu den sogenannten Hypogäen – unterirdischen Grabkammern. Die Karthager, genauer gesagt die Bewohner der antiken Siedlung Ibosim, haben hier über fünf Jahrhunderte lang ihre Toten bestattet.

Man muss buchstäblich aufpassen, wo man hintritt. Einige Kammern sind mehrere Meter tief. Damals wurden hier nicht nur die Verstorbenen abgelegt, sondern auch alles, was sie im Jenseits brauchen könnten: Amulette, bemalte Tongefäße, Schmuck und winzige Terrakotta-Figuren. Es ist eine riesige Nekropole, mitten in der Stadt, direkt gegenüber der Festungsmauer.

Das Museum (und die endlose Baustelle)

Normalerweise würde ich Sie jetzt direkt in das Museu Monogràfic des Puig des Molins schicken, das unten am Eingang des Geländes steht. Das Problem: Das Gebäude ist derzeit von Bauzäunen umgeben. Die dringend nötigen Renovierungsarbeiten ziehen sich – man kennt das auf den Balearen – nun schon eine gefühlte Ewigkeit hin. Wann genau der Consell d’Eivissa die Türen wieder öffnet, weiß aktuell niemand so richtig.

Das ist wirklich schade, denn die Sammlung drinnen war hervorragend. Vor allem die filigranen Figuren der karthagischen Schutzgöttin Tanit, die man in der Höhle von Es Culleram im rauen Norden der Insel gefunden hat, lagen hier in den Vitrinen. Bis die Modernisierung abgeschlossen ist, bleiben die Goldamulette und Alltagsgegenstände sicher verpackt im Depot.

Was sich auf dem Gelände trotzdem lohnt

Lohnt sich der Weg zur Via Romana also überhaupt, wenn das Museum dicht ist? Ja, durchaus. Das Außengelände ist nämlich weiterhin zugänglich.

  • Die Freiluft-Nekropole: Man kann auf den Schotterwegen zwischen den alten Grabschächten herumlaufen. Ein paar verblichene Informationstafeln erklären grob, wie das Gräberfeld aufgebaut war und welche historischen Schichten man hier vor sich hat.
  • Die Aussicht: Gehen Sie bis ganz nach oben. Von hier blickt man direkt auf die massiven Stadtmauern von Dalt Vila und runter in die Bucht. Gegen Abend, wenn die tiefstehende Sonne den Kalkstein der Altstadt orange färbt, haben Sie hier oben Ihre Ruhe vor den Touristenmassen am Hafen.

Praktische Infos für den Weg nach oben

Lage: Das Gelände liegt in der Via Romana 31. Vom Hafen oder dem Portal de ses Taules aus sind es etwa 10 bis 15 Minuten zu Fuß bergauf.

Anreise: Sparen Sie sich den Mietwagen. Parkplätze gibt es in den schmalen Einbahnstraßen rund um den Hügel ohnehin nicht. Lassen Sie das Auto auf dem großen Parkplatz Es Pratet am Hafen stehen und laufen Sie.

Schuhwerk: Das Gelände kostet aktuell keinen Eintritt, ist aber uneben. Tragen Sie geschlossene Schuhe. Sneaker reichen völlig, aber wer mit Flip-Flops auf dem losen Geröll herumklettert, holt sich schnell blutige Zehen.

Die beste Zeit: Vermeiden Sie unbedingt die Mittagszeit im Sommer. Der Hügel bietet so gut wie keinen Schatten. Zwischen 9 und 10 Uhr morgens oder am späten Nachmittag ab 18 Uhr ist es deutlich erträglicher. Wenn Sie danach wieder unten am Fuß von Dalt Vila ankommen, setzen Sie sich am Mercat Vell in eines der kleinen Cafés – ein ordentlicher Cortado kostet dort meist faire 1,80 bis 2,00 Euro, und Sie können das Gesehene in Ruhe sacken lassen.

Fotografie: Joan Gené, via Wikimedia Commons