Wer sich durch die engen, von Pinien gesäumten Kurven im Norden Ibizas schlängelt, erwartet am Ende der Straße oft eine verlassene Bucht. Als ich das erste Mal nach Port de Sant Miquel fuhr, war ich ehrlich gesagt etwas überrascht: Hier wartet in erster Linie massiver Beton. Große Hotelkomplexe aus den 70er und 80er Jahren dominieren das Bild der Bucht. Doch genau diese dichte Bebauung macht den Ort so unfassbar praktisch. Hier gibt es keinen mühsamen Kampf um den letzten Quadratmeter Sand im Schatten einer Klippe. Man parkt, steigt aus und ist da.
Ein Strand für den Alltag
Der Sand in der hufeisenförmigen Bucht ist etwas gröber und goldgelb, das Wasser meist spiegelglatt. Wenn Sie mit kleinen Kindern unterwegs sind, die keine tückischen Strömungen oder hohen Wellen gebrauchen können, ist das hier optimal. Direkt an der gepflasterten Uferpromenade reihen sich die üblichen Verdächtigen aneinander: ein kleiner Spar-Supermarkt für das eiskalte Wasser zwischendurch, Souvenirshops mit aufblasbaren Delfinen und ein paar solide Cafés.
Ein Set aus zwei Sonnenliegen plus Schirm kostet je nach Saison zwischen 20 und 25 Euro. Der Strandbetreiber kommt meist gegen 10:30 Uhr zum Kassieren vorbei. Romantische Einsamkeit finden Sie hier sicher nicht. Aber wer einfach nur einen unkomplizierten Strandtag verbringen möchte, ohne erst eine Kühlbox über steinige Ziegenpfade schleppen zu müssen, wird Port de Sant Miquel schätzen.
Die Cova de Can Marçà
Die meisten Tagesausflügler kommen ohnehin nicht wegen des Sandstrandes hierher, sondern folgen den gelben Schildern, die den Weg die Klippen hinauf weisen. Direkt am Steilhang der Bucht klebt der Eingang zur Cova de Can Marçà. Früher schleppten Schmuggler nachts ihre illegale Fracht durch diese Gänge. Die schwarzen und roten Farbmarkierungen an den Wänden, die ihnen damals im flackernden Licht den Weg wiesen, kann man heute noch gut erkennen.
Für gut 12,50 Euro Eintritt geht es über steile Treppen hinab in ein gut ausgebautes Höhlensystem voller Tropfsteine und unterirdischer Seen. Die Führung dauert knapp 40 Minuten. Ein ehrlicher Hinweis: Die künstliche Licht- und Musikshow am Ende der Tour hat den leicht angestaubten Charme der 90er Jahre. Aber gerade im August, wenn das Thermometer draußen die 35-Grad-Marke knackt, sind die konstanten 20 Grad unter Tage eine echte Erlösung. Im Hochsommer sollten Sie unbedingt morgens gleich das erste Zeitfenster buchen, sonst stehen Sie in der prallen Sonne ewig in der Schlange vor dem schmalen Eingang.
Ausflugsziele, für die man das Auto braucht
- Portinatx: Etwa 15 Autominuten weiter östlich. Die kleinen Buchten hier sind verzweigter und das Wasser schimmert noch einen Tick türkiser. Vorsicht am freistehenden Geldautomaten an der Hauptstraße – die Betreibergesellschaft schlägt bei ausländischen Karten gerne mal unverschämte Gebühren auf.
- Cap Negret: Wenn Sie von Port de Sant Miquel an der Küste nach Süden spazieren, stoßen Sie auf die dunklen Vulkanfelsen von Cap Negret. Die direkt in den rauen Stein gebauten Fischerhäuschen sind ein hervorragendes Fotomotiv weit abseits der Hotelblöcke.
- Benirràs: Bekannt für die sonntäglichen Trommel-Sessions zum Sonnenuntergang. Was früher ein spontaner Hippie-Treff war, ist heute ein Großevent. Versuchen Sie im Juli oder August keinesfalls, nach 16 Uhr mit dem eigenen Mietwagen dorthin zu fahren. Der Staubparkplatz platzt aus allen Nähten und die lokale Polizei sperrt die Zufahrtsstraße rigoros ab. Nehmen Sie stattdessen den Shuttle-Bus ab dem Parkplatz Sa Plana.
Logistik und das beste Essen am Platz
Die Anreise nach Port de Sant Miquel ist simpel, da die asphaltierte Straße direkt bis an den Strand führt. Der kostenlose Parkplatz in der zweiten Reihe ist zwar groß, füllt sich in der Ferienzeit zwischen Ende Juni und Mitte September aber ab 11 Uhr vormittags rapide. Es fahren auch Linienbusse aus Ibiza-Stadt oder Santa Eulària hierher, die aber im Sommer gerne mal zwanzig Minuten später eintreffen als auf dem ausgeblichenen Fahrplan an der Haltestelle angegeben.
Wenn Sie mittags Hunger mitbringen, ignorieren Sie am besten die internationalen Touristenmenüs mit Schnitzel und Pizza. Setzen Sie sich stattdessen auf die Terrasse des Restaurante Port de Balansat direkt am Strand und bestellen Sie das Bullit de Peix. Dieser traditionelle ibizenkische Fischeintopf wird in zwei Gängen serviert: Erst kommt der Fisch mit Kartoffeln in einer kräftigen Knoblauch-Safran-Soße auf den Tisch, danach eine Pfanne mit Reis, der im verbliebenen Fischsud gekocht wurde. Der Spaß kostet um die 35 Euro pro Person, macht Sie aber garantiert für den Rest des Tages satt und schmeckt genau so, wie diese Insel schmecken sollte.
Empfohlene Erlebnisse
Einige passende Erlebnisse zu diesem Thema, direkt online buchbar: