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MACE: Zeitgenössische Kunst in den alten Mauern von Dalt Vila

Wer im Juli mittags durch das wuchtige Portal de Ses Taules in Ibizas Altstadt Dalt Vila tritt, spürt schnell seine Waden. Der Aufstieg über das durch Millionen Sohlen spiegelglatt polierte Kopfsteinpflaster ist steil, die Hitze staut sich massiv zwischen den Festungsmauern aus dem 16. Jahrhundert. Man erwartet hier oben alte Kanonen, schwere Holztore und vielleicht eine kühle Kathedrale am Gipfel. Was man auf der Ronda Narcís Puget nach der ersten schweißtreibenden Steigung definitiv nicht erwartet, ist die minimalistische Glasfassade des Museu d’Art Contemporani d’Eivissa (MACE). Genau dieser harte architektonische Bruch macht den Reiz aus.

Eine Sammlung mit starkem Lokalbezug

Das MACE versucht gar nicht erst, mit den großen Häusern in Madrid oder Barcelona mitzuhalten. Stattdessen konzentriert es sich auf das, was die Insel ausmacht. Ab den 1930er Jahren und besonders in den 1960ern strandeten hier unzählige Maler, Bildhauer und Aussteiger. Sie kamen wegen des damals spottbilligen Lebens und des gnadenlos klaren Lichts. Das Museum fängt genau diese Ära ein. Statt austauschbarer globaler Pop-Art hängen hier Arbeiten von Künstlern wie Erwin Bechtold oder den Mitgliedern der „Grupo Ibiza 59“, die maßgeblich auf der Insel arbeiteten. Die starke Klimaanlage in den Ausstellungsräumen ist übrigens ein absoluter Segen, wenn man gerade den Aufstieg hinter sich hat.

Glasböden und abstrakte Leinwände

Der Rundgang durch den modernen Anbau ist klug angelegt. Im Erdgeschoss wartet ein Detail, das in vielen Reiseführern fehlt: Während der jahrelangen Renovierung stieß man auf Überreste punischer und römischer Behausungen. Statt sie einfach wieder zuzuschütten, ließ der Architekt Víctor Beltrán Roca einen begehbaren Glasboden einbauen. Man steht also auf zeitgenössischer Architektur, blickt hinab auf 2500 Jahre alte Ruinen und schaut sich abstrakte Malerei aus den 1970ern an.

Die Sammlung selbst teilt sich ganz natürlich auf:

  • Die abstrakte Phase: Großformatige, oft erdfarbene Leinwände der Künstler, die Ibiza in den 50ern und 60ern als kreativen Rückzugsort nutzten.
  • Grafiken und Plakate: Sehr spezifische, oft politisch oder gesellschaftlich aufgeladene Drucke aus der Zeit des späten Franco-Regimes und der beginnenden Demokratie.
  • Wechselausstellungen: Hier stellen regelmäßig internationale Namen aus, die den Sommer auf der Insel verbringen. Letztes Jahr lief ich im Untergeschoss zufällig in eine exzellente Fotoausstellung, die den Wandel der Insel vom kargen Fischerdorf zur kommerziellen Club-Hochburg dokumentierte.

Der Blick aus dem obersten Stockwerk

Der Bau selbst nutzt das grelle ibizenkische Sonnenlicht perfekt aus. Über schmale Fenster und Oberlichter wird es gefiltert in die Räume geleitet. Wenn man im obersten Stockwerk aus dem Fenster schaut, hat man einen geradezu absurden Kontrast vor Augen: Drinnen hängt reduzierte, fast stille Kunst. Draußen, unten im Hafen von Marina Botafoch, drängen sich die lärmenden Superyachten und die Balearia-Fähren, die beim Anlegen aus Formentera mal wieder Verspätung haben.

Praktische Tipps für den Weg danach

Ein ernstgemeinter Rat: Laufen Sie nach dem Museumsbesuch nicht sofort wieder nach unten in die Stadt. Gehen Sie weiter hoch bis zur Plaza del Sol. Dort gibt es ein paar kleine Cafés im Schatten. Der Cortado kostet dort mittlerweile gut und gerne 3,50 Euro, aber der Blick über die Dächer der Unterstadt entschädigt für den Preis. Kaufen Sie Ihr Trinkwasser allerdings lieber vorher unten im Zentrum – der kleine Supermarkt in der Nähe der Kathedrale verlangt absolute Fantasiepreise für eine halbe Liter Flasche.

Fakten für Ihren Besuch

Adresse: Ronda Narcís Puget, s/n, 07800 Eivissa. Wenn Sie das Portal de Ses Taules durchqueren, halten Sie sich an der Plaza de Vila schräg rechts den Hügel hinauf. Rollstuhlfahrende oder Menschen mit Kinderwagen sollten den Seiteneingang nutzen, da die Hauptrampe extrem steil ist.

Eintritt: Die ständige Sammlung ist komplett kostenlos. Das ist auf einer Insel, auf der ein Club-Eintritt 80 Euro kostet und ein einfaches Abendessen oft das Budget sprengt, eine absolute Seltenheit. Lediglich bei speziellen Sonderausstellungen werden manchmal 2 bis 3 Euro fällig.

Öffnungszeiten: Montags ist – wie bei fast allen staatlichen Museen in Spanien – geschlossen. Im Sommer (April bis September) ist in der Regel von 10:00 bis 14:00 Uhr und abends nochmal von 17:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Im Winter fällt die Abendschicht oft komplett weg. Verlassen Sie sich bei den Zeiten nicht blind auf Google Maps, sondern rufen Sie im Zweifel kurz die offizielle Website des Rathauses von Ibiza auf, da die Öffnungszeiten manchmal spontan an die personelle Besetzung angepasst werden.

Fotografie: fnogues from Eivissa, via Wikimedia Commons