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Las Dalias: Ein ehrlicher Guide für Ibizas bekanntesten Hippiemarkt

Wenn man an einem Samstagmorgen im Juli über die Landstraße PM-810 Richtung Norden fährt, merkt man schnell: Die halbe Insel hat dasselbe Ziel. Kurz vor dem kleinen Ort Sant Carles de Peralta beginnt meist der Stau. Der Grund dafür ist Las Dalias. Seit den 80er Jahren wird auf diesem Gelände unter knorrigen Feigenbäumen und bunten Sonnensegeln gehandelt, musiziert und geschwitzt. Es ist laut, es ist voll und – ganz ehrlich – es ist mittlerweile ziemlich kommerziell. Trotzdem fahre ich jedes Mal wieder hin. Wer das Labyrinth aus Efeu, Patchouli-Duft und rotem Staub betritt, versteht schnell, warum dieser Ort auch nach Jahrzehnten noch funktioniert.

Wie viel Hippie steckt noch im Markt?

Vergessen Sie die Vorstellung von ein paar Aussteigern, die auf alten Decken ihre selbstgemachten Ketten tauschen. Las Dalias ist heute eine gut geölte Maschine und definitiv kein Flohmarkt für Schnäppchenjäger mehr. Der eigentliche Reiz liegt in der Architektur des Geländes. Man drängt sich durch enge, von Weinreben überdachte Gassen, vorbei an weiß getünchten Mauern. Wer genau hinsieht, findet zwischen den glattpolierten neuen Ständen immer noch die echten Insel-Originale mit sonnengegerbter Haut, die seit dreißig Jahren ihren festen Platz unter demselben Baum verteidigen.

Einkaufen: Von Ibiza-Mode bis zum Silberring

Die Preise haben sich dem Ibiza-Standard angepasst, aber wer gezielt sucht, findet hier echte handwerkliche Qualität abseits der Massenware.

Schmuck und Handwerk

In den hinteren, etwas ruhigeren Ecken des Marktes sitzen oft Handwerker, die direkt vor Ort Lederbänder flechten oder Silber bearbeiten. Ein schlichter, handgehämmerter Silberring kostet meist um die 15 bis 20 Euro. Vorsicht bei den Ständen direkt am Haupteingang: Hier mischt sich gelegentlich günstige Importware unter das Kunsthandwerk. Es lohnt sich, tiefer in den Markt einzutauchen.

Die obligatorische Bohème-Mode

Luftige Leinenkleider, aufwendig bestickte Tuniken und verzierte Lederstiefel hängen hier dicht an dicht im leichten Wind. Ein handgefertigtes Maxikleid wechselt selten für unter 80 bis 100 Euro den Besitzer. Dafür sind die Stoffe meist hochwertig und die Schnitte genau jener legere Stil, für den die Insel berühmt ist.

Essen und Live-Musik gegen die Mittagshitze

Gegen 13 Uhr staut sich die Hitze unter den Zeltdächern. Das ist der Moment für einen frisch gepressten Wassermelonen-Saft (etwa 7 Euro) oder eine Portion vegetarisches Curry an den Food-Ständen. Auf der kleinen zentralen Bühne spielen durchgehend lokale Musiker. Eine akustische Gitarre, ein bisschen Percussion – genau die richtige Kulisse, wenn man sich mit einer spanischen Empanada auf eine der schattigen Holzbänke fallen lässt.

Praktische Infos: Parken, Geld und die beste Uhrzeit

  • Öffnungszeiten: Von April bis Oktober läuft der Hauptmarkt jeden Samstag von 10:00 bis 19:00 Uhr. Mein Rat: Seien Sie um Punkt 10:00 Uhr da. Ab Mittag schieben sich die Massen nur noch im Schneckentempo durch die Gänge.
  • Der Nachtmarkt: Montags ab 19:00 Uhr (im Hochsommer oft auch dienstags) öffnet der Markt abends. Im August ist das die absolute Rettung. Die Temperaturen sind endlich erträglich, die Lichterketten leuchten, und die Stimmung ist viel entspannter als am Samstagvormittag.
  • Parken: Die Anfahrt über die Carretera de Sant Carles (km 12) ist idiotensicher. Ignorieren Sie die wild gestikulierenden Einweiser auf den inoffiziellen Schotterpisten kurz vor dem Ziel, wenn Sie nicht wollen. Es gibt direkt am Gelände offizielle staubige Parkfelder für etwa 3 bis 4 Euro. An Hochsommer-Samstagen sind diese aber oft schon um 11:30 Uhr restlos überfüllt.
  • Bargeld: Nehmen Sie ausreichend Euro in bar mit. Die Netzabdeckung für Kartenterminals ist an manchen Ständen wackelig. Es gibt zwar einen Geldautomaten auf dem Gelände, aber der verlangt oft saftige Abhebegebühren von mehreren Euro – und die Schlange davor steht meist direkt in der prallen Sonne.

Der Rest des Tages

Nach zwei bis drei Stunden auf dem Markt haben die meisten genug vom Trubel. Fahren Sie die paar hundert Meter weiter ins Dorf Sant Carles. Direkt an der Hauptkreuzung steht die Bar Anita. Das ist der Ort, wo die Hippies früher ihre Post abholten (die alten Holzpostfächer hängen noch an der Wand). Trinken Sie am Tresen einen Cortado oder ein Glas von dem hausgemachten Hierbas-Likör. Danach steigen Sie wieder ins Auto und fahren zehn Minuten hinunter zur Cala Llenya. Der Strand ist breit, das Wasser meist kristallklar, und der angrenzende Pinienwald spendet genau den Schatten, den man braucht, um den roten Staub des Marktes endgültig abzuwaschen.

Fotografie: Laura Ferrer Arambarri, via Wikimedia Commons