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Ibizas Festkalender: Wie die Insel feiert, wenn die Turntables stillstehen

Wer bei Ibiza nur an die endlosen Schlangen vor dem Amnesia oder überteuerte Liegen an der Playa d’en Bossa denkt, verpasst den eigentlichen Rhythmus der Insel. Sobald man die Touristenhochburgen verlässt, wird klar: Die Ibicencos brauchen keine Star-DJs, um zu feiern. Ihr Festkalender ist prall gefüllt. Ich habe im Laufe der Jahre gemerkt, dass man die Seele Ibizas am ehesten abends auf einem staubigen Dorfplatz findet, wenn lokaler Wein aus Plastikbechern getrunken wird und die alten Traditionen aufleben.

Von fliegenden Bonbons und schweigenden Kapuzen: Jahresauftakt

Der 6. Januar markiert das Ende der Weihnachtszeit. Wenn die Reyes Magos (die Heiligen Drei Könige) am Hafen von Ibiza-Stadt ankommen und später über den Paseo Vara de Rey reiten, herrscht Ausnahmezustand. Es ist laut, es ist chaotisch, und Sie sollten aufpassen, wo Sie stehen – die harten Bonbons, die von den Festwagen in die Menge gefeuert werden, treffen mit erstaunlicher Wucht. Danach zieht man sich oft auf eine heiße Schokolade mit Churros in eine der Bars zurück (rechnen Sie mit etwa 4,50 Euro für beides).

Ganz anders die Semana Santa im März oder April. Die Passionszeit nimmt man hier sehr ernst. Wenn Sie in der Karwoche auf der Insel sind, stellen Sie sich abends in die steilen, kopfsteingepflasterten Gassen der Dalt Vila. Die schweren Holzstatuen werden von Mitgliedern der Bruderschaften durch die engen Straßen getragen. Es ist absolut still, nur das rhythmische Trommeln und das Schleifen der Schuhe auf dem Stein sind zu hören. Achtung: Die Steine in der Festung sind extrem rutschig, besonders wenn es kurz zuvor geregnet hat – lassen Sie die Ledersohlen im Hotel.

Feuer und Blütenstaub: Die Feste im Frühsommer

Anfang Mai verwandelt sich der ohnehin schon gepflegte Passeig de s’Alamera in Santa Eulària des Riu für die Festa de la Flor in ein einziges Blütenmeer. Alte Traktoren und Pferdewagen werden mit tausenden Blumen behängt. Es riecht nach Frühling und frischen Kräutern. Wenn Sie dort sind, holen Sie sich in einer der örtlichen Bäckereien ein Stück Flaó, den traditionellen Minz-Käsekuchen der Insel, auf die Hand.

Der lauteste Knall im Juni ist die Noche de San Juan vom 23. auf den 24. Juni. Vergessen Sie die Bars in San Antonio an diesem Abend und fahren Sie stattdessen ganz in den Norden nach Sant Joan de Labritja. Kommen Sie aber unbedingt vor 19 Uhr, sonst stehen Sie auf der PM-811 ewig im Stau und finden auf den staubigen Behelfsparkplätzen vor dem Dorf keine Lücke mehr. Nach Einbruch der Dunkelheit werden auf dem Dorfplatz große Lagerfeuer entzündet. Mutige springen durch die Flammen, um böse Geister zu vertreiben. Es wird viel selbstgemachter Hierbas Ibicencas aus unbeschrifteten Flaschen gereicht, und die Luft ist dick vom Rauch der brennenden Pinienäste.

Der heiße August: Stadtpatronin und historische Schlachten

Im August klebt einem das Hemd am Rücken, aber das hält niemanden vom Feiern ab. Am 5. August wird die Mare de Déu de les Neus (Maria Schnee) geehrt. Der Weg zur Kathedrale ganz oben in der Dalt Vila ist an diesem Tag eine schweißtreibende Angelegenheit. Kaufen Sie Ihr Wasser vorher unten in der Stadt im regulären Supermarkt für 80 Cent – oben am Aussichtsplatz verlangen die Kioske gut und gerne 3 Euro für die kleine Flasche.

Drei Tage später, am 8. August, folgt der Día de la Reconquista, der an die Rückeroberung der Insel von den Mauren im Jahr 1235 erinnert. Die Altstadt wird zu einem riesigen mittelalterlichen Markt. Die Gassen riechen nach gebratenem Spanferkel, Leder und Räucherstäbchen. Wenn Sie authentisches Kunsthandwerk suchen, werden Sie hier eher fündig als auf den großen Hippiemärkten, die mittlerweile viel Importware aus Asien verkaufen.

Herbst und Winter: Wein aus dem Plastikbecher und Kastagnetten

Wenn Ende Oktober die letzten Direktflüge gestrichen werden, gehört die Insel wieder den Ibicencos. Mein persönlicher Favorit ist das Weinfest in Sant Mateu im Dezember. Sant Mateu ist ein winziges Dorf im Inselinneren. Auf dem Sportplatz schenken die lokalen Winzer den Vino payés, den traditionellen Bauernwein, aus. Man kauft für ein paar Euro ein Glas und probiert sich durch die Ernte. Dazu gibt es dicke Scheiben Landbrot mit über dem offenen Feuer gerösteter Sobrasada (Paprikastreichwurst). Ziehen Sie sich warm an, denn sobald die Sonne hinter den Hügeln des Pla de Sant Mateu verschwindet, wird es auf Ibiza im Winter empfindlich kalt.

Über das Jahr verteilt feiert außerdem fast jedes Dorf seine eigenen Fiestas Patronales. Hier sieht man unweigerlich den Ball Pagès, den traditionellen Bauerntanz. Die Tänzerinnen tragen schweren, antiken Goldschmuck (die Emprendadas), und die Männer spielen dazu auf riesigen, ohrenbetäubend lauten Kastagnetten. Es wirkt archaisch, laut und faszinierend fremd.

Was Sie wissen sollten, bevor Sie mitfeiern

  • Das Bargeld-Problem: Auf den Dorfplätzen gibt es keine Kartenzahlung für Wein oder Bratwurst. Heben Sie das Geld vorher an einem regulären Bankautomaten (z. B. einer CaixaBank) ab. Die freistehenden Euronet-Automaten, die in den Touristenorten an jeder Ecke stehen, knöpfen Ihnen oft 3,95 Euro oder mehr an Gebühren ab.
  • Parken ist Krieg: Bei den Dorffesten wie in Sant Mateu oder Sant Joan werden meist angrenzende Felder als Parkplätze freigegeben. Kommen Sie im Hellen, um die fiesen Schlaglöcher und dicken Felsbrocken zu sehen, die Ihnen sonst abends beim Wenden im Dunkeln den Unterboden ruinieren.
  • Busse und späte Fahrten: Verlassen Sie sich an Feiertagen nicht auf die regulären Busfahrpläne. Selbst wenn der L13-Bus laut Plan fahren sollte, fällt er an solchen Tagen gerne mal aus oder fährt einfach an der Haltestelle vorbei, weil er schon voll ist. Organisieren Sie sich rechtzeitig ein Taxi oder bestimmen Sie einen Fahrer für den Mietwagen.