Winter auf Ibiza: Was man in dieser Saison tun und sehen kann Aktivitäten ansehen
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Ibizas Barszene: Von 22-Euro-Sunset-Drinks bis zum kühlen San Miguel auf der Mauer

Wer im Hochsommer auf Ibiza aus dem Flieger steigt, spürt zuerst diese drückende, feuchte Hitze – und kurz darauf die Realität der Inselpreise. Man kann hier an einem einzigen Abend problemlos ein halbes Monatsgehalt am Tresen lassen. Aber man muss es nicht. Die Kunst auf dieser Insel besteht darin, genau zu wissen, an welcher Straßenecke man abbiegt und welche Lokale man den Leuten überlässt, die PR-Flyern blind vertrauen. Ich habe etliche Abende an klebrigen Tischen und auf durchgesessenen Loungemöbeln verbracht, um herauszufinden, wo sich der Weg wirklich lohnt.

Sant Antoni: Der Sonnenuntergang und die Eiswürfel-Rechnung

Die Westküste und ihr Sonnenuntergang sind ein festes Ritual. Wenn Sie im Juli oder August den Passeig de Ponent in Sant Antoni entlanglaufen, schieben Sie sich durch eine dichte Masse aus Menschen, Selfiesticks und Promoter-Teams. Das Cafe Del Mar und das direkt benachbarte Cafe Mambo sind die unbestrittenen Platzhirsche auf diesem Streifen.

Die Terrassen sind meist schon Wochen im Voraus ausgebucht. Wenn Sie spontan einen Platz ergattern, zahlen Sie für einen Mojito oder Gin Tonic gut und gerne 18 bis 22 Euro. Gefühlt besteht der Drink zur Hälfte aus massiven Eiswürfeln, aber seien wir ehrlich: Sie bezahlen hier für die erste Reihe am Wasser und den Soundtrack. Ein ehrlicher Rat für alle, die das Budget schonen wollen: Kaufen Sie sich zwei eiskalte Dosenbrot-Bier im nächsten Supermercado und setzen Sie sich ein paar Meter weiter einfach auf die Felsen. Die Sonne geht dort exakt genauso unter.

Wechselt man auf die andere Seite der Bucht nach Cala de Bou, wird es entspannter. Das Kumharas liegt direkt am Wasser. Um dorthin zu kommen, nimmt man am besten das kleine Wassertaxi ab Sant Antoni – auch wenn das Boot notorisch unpünktlich ist und der Kapitän den Fahrplan eher als grobe Empfehlung betrachtet. Das Kumharas selbst ist eine leicht staubige Strandbar mit Räucherstäbchen-Geruch, in der man oft barfuß steht. Die Cocktails sind hier ein paar Euro günstiger, das Publikum ist älter, und statt dröhnendem EDM spielen die DJs hier tatsächlichen Balearic Chillout.

Ibiza-Stadt: Hafen-Hektik und Altstadt-Kopfsteinpflaster

Die Hauptstadt ist laut, eng und im Sommer völlig überlaufen. Wer sich darauf einlässt, findet hier allerdings die besten Spots für ausgedehntes People-Watching.

La Marina und Dalt Vila

Direkt am Hafen, wo die Fähren aus Formentera ihre Passagiere ausspucken, liegt La Marina. Setzen Sie sich nachmittags ins Mar Y Sol. Es ist laut, direkt an der Straße, aber Sie haben den perfekten Blick auf das Chaos aus anlegenden Megayachten und den abendlichen Paraden der großen Clubs, die mit Tänzern und Stelzenläufern durch die Gassen ziehen. Das Croissant Show direkt an der Rampe zum Portal de ses Taules (dem Haupteingang zur Altstadt) ist der absolute Klassiker für den ersten starken Café con leche nach einer viel zu kurzen Nacht.

Geht man durch das Tor hinauf nach Dalt Vila, wird es steil. Tragen Sie hier keine Absätze – das alte Kopfsteinpflaster ist spiegelglatt. Oben, im Innenhof des Museu d’Art Contemporani, liegt die Bar del Museo. Es ist einer der wenigen Orte in der Altstadt, an denen man tatsächlich Ruhe findet. Man sitzt im Schatten der dicken Mauern, trinkt einen Wermut und schaut von oben auf das rote Ziegeldach-Gewirr der Stadt hinab.

Plaça del Parc: Keine Kreditkarten am Automaten

Der Plaça del Parc verläuft parallel zum großen Boulevard Vara de Rey und ist das eigentliche Wohnzimmer der Stadt. Die Tische der Bars stehen dicht an dicht. Am Kopfende dominiert das gelbe Gebäude des Montesol mit seiner recht schicken Hotelbar. Direkt daneben, in Läden wie der Bar Parc, geht es rustikaler zu.

Hier bekommt man ein kleines frisch gezapftes Bier (eine Caña) noch für rund 5 Euro. Das ist für Ibiza-Stadt-Verhältnisse ein extrem fairer Kurs. Man sitzt unter den Bäumen, Straßenmusiker spielen, und man kommt zwangsläufig mit dem Tisch-Nachbarn ins Gespräch. Eine kleine Warnung aus eigener, bitterer Erfahrung: Der frei stehende Geldautomat direkt um die Ecke verlangt unverschämte 3,95 Euro Abhebegebühr. Bringen Sie ausreichend Bargeld von einer regulären Bank mit.

Sand, Flugzeuglärm und Kilometersteine

Die Insel bietet mehr als nur Asphalt und Hafenmauern. Ganz im Süden, am Ende des Strandes von Ses Salines, liegt das Sa Trincha. Der Weg dorthin zieht sich. Man stapft gute fünfzehn Minuten durch tiefen Sand, vorbei an Familien und dem FKK-Abschnitt, bis man den tiefen House-Bass hört. Es gibt keinen Dresscode. Man bestellt sein Bier in Badehose, der Sand klebt an den Waden, und auf dem Wasser schaukeln die Segelboote.

Wer es komfortabler mag, fährt an die Playa d’en Bossa. In Beach Clubs wie dem Nassau Beach Club oder dem Eco werden einem die eisgekühlten Getränke direkt an die gepolsterte Sonnenliege gebracht. Man zahlt für den Service, und man muss den Flugzeuglärm mögen. Die Einflugschneise des Flughafens führt direkt über den Strand, alle zehn Minuten donnert ein Jet im Landeanflug über die Köpfe hinweg. Nach dem dritten Drink stört das allerdings niemanden mehr.

Fährt man abends ins Landesinnere auf der Landstraße PM-803 Richtung Sant Josep, taucht exakt am Kilometerstein 5 das KM5 auf. Von außen sieht es aus wie eine staubige Parkplatz-Einfahrt, drinnen verbirgt sich ein riesiger Garten mit Beduinenzelten und dicken Kissen. Es ist dunkel, das Licht der Lampions schimmert durch die Bäume, und die DJs legen entspannte Sets auf. Es ist der ideale Ort, um gegen 23 Uhr den Abend zu starten, bevor es in die großen Clubs geht.

Das West End: Neonlicht und Plastikbecher

Wenn Sie nach feinen Nuancen im Gin suchen, sind Sie hier falsch. Die Carrer de Santa Agnès im West End von Sant Antoni ist ein lauter, klebriger Schlauch aus Neonreklamen, Sportsbars und feierwütigen britischen Teenagern. Hier stehen Promoter alle zwei Meter im Weg und drücken einem Angebote für 2-für-1-Wodka-Lemon in die Hand.

Das Bier kostet hier oft nur 4 Euro, die Bässe aus den verschiedenen Bars überlagern sich zu einem einzigen Brei, und der Boden klebt verlässlich. Es hat absolut nichts Elegantes. Aber wenn man um zwei Uhr morgens einfach nur eine laute, völlig unprätentiöse Bar sucht, in der niemand darauf achtet, welche Schuhe man trägt, funktioniert das West End genau so, wie es soll.

Am Ende läuft ohnehin alles darauf hinaus, wie man den eigenen Abend gestalten will. Ich für meinen Teil nehme jetzt den letzten Bus aus Sant Antoni, ignoriere den Geldautomaten am Plaça del Parc und bestelle mir eine kalte Caña unter den Bäumen der Altstadt.

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