Winter auf Ibiza: Was man in dieser Saison tun und sehen kann Aktivitäten ansehen
Eivissa 31° · Partly cloudy
Reise planen

Ibizas alternative Märkte: Wo man abseits der Massen wirklich einkauft

Jeder, der im Hochsommer schon einmal versucht hat, einen Parkplatz an den berühmten Hippie-Märkten der Insel zu ergattern, kennt die Realität: Staub, brütende Hitze und Kolonnen von Reisebussen. Wer auf Ibiza wirklich gutes Olivenöl, vernünftige Secondhand-Funde oder ein anständiges Stück Ziegenkäse kaufen will, meidet die großen Namen. Abseits der Hauptverkehrsadern gibt es sie noch – die kleinen, oft improvisierten Märkte, auf denen tatsächlich mehr Spanisch und Katalanisch als Englisch gesprochen wird. Ich zeige euch drei Adressen, für die sich das frühe Aufstehen lohnt.

Can Sort: Bio-Gemüse und staubige Sandalen

Vergesst perfekt inszenierte Instagram-Kulissen. Der Can-Sort-Biomarkt ist im Grunde ein wöchentliches Treffen von Residenten, Aussteigern und Leuten, die auf der Insel überwintern. Das Sortiment? Krumme, aber unglaublich aromatische Tomaten für knapp drei Euro das Kilo, hausgemachte Feigenmarmelade und handgesiedete Seife, die unverschämt gut nach wildem Rosmarin riecht. Eine lokale Initiative organisiert das Ganze jeden Samstagvormittag.

Die Anfahrt: Der Weg dorthin ist eine kleine Geduldsprobe. Fahrt von Sant Joan in Richtung der Bucht von Benirràs. Achtet auf der rechten Seite auf ein verwittertes Holzschild. Wenn ihr den Mobilfunkempfang verliert, seid ihr fast da. Navigations-Apps leiten einen hier gerne mal auf unpassierbare Schotterpisten um – fahrt langsam, die Unterböden eurer Mietwagen werden es euch danken.

Sant Jordi: Schallplatten und Trabrennbahn

Die Trabrennbahn (Hipódromo) von Sant Jordi ist jeden Samstag der Ort, an dem die halbe Insel ihre Keller und Garagen entrümpelt. Ab 8 Uhr morgens reihen sich Klapptische im braunen Sand der Rennbahn aneinander. Ich habe hier schon zerkratzte balearische House-Platten aus den Neunzigern für zwei Euro und eine alte, funktionstüchtige Espressomaschine gefunden. Zwischen gebrauchten Leinenhemden, Vintage-Sonnenbrillen und verrostetem Werkzeug wird erbarmungslos, aber freundlich gefeilscht.

Zwei Dinge, die den Tag retten: Holt unbedingt vorher Bargeld. Der Geldautomat direkt an der Hauptstraße in Sant Jordi (eine CaixaBank) verlangt oft absurde 2,90 Euro Gebühr für Fremdkarten, und ab 11 Uhr ist er an Markttagen regelmäßig leer. Wenn ihr früh genug da seid, holt euch an der kleinen Bar einen Cortado im Pappbecher und seht zu, wie im Hintergrund tatsächlich noch Pferde für die anstehenden Trabrennen trainiert werden.

Casita Verde: Sonntags-Treff im Öko-Dorf

Wer nach den Samstagsmärkten noch Luft hat, lenkt sein Auto am Sonntag in die bewaldeten Hügel zwischen Sant Rafel und Sant Josep. Die Casita Verde ist kein klassischer Markt, sondern ein Zentrum für ökologisches Leben. Sonntags öffnen sie das Gelände und servieren ein fantastisches veganes Mittagessen, meist gekocht mit Zutaten direkt vom eigenen Land. Drumherum stehen ein paar Tische, an denen Einheimische selbstgemachten Johannisbrotsirup, frische Aloe Vera oder Kräutertinkturen verkaufen.

Die Hürde: Man kann hier nicht einfach spontan durchs Tor spazieren. Da es sich um ein Privatgelände handelt, müsst ihr euch vorab auf der Website der Casita Verde als Mitglied registrieren. Das kostet in der Regel eine einmalige Spende von etwa 10 Euro, die das Mittagessen oft schon fast abdeckt. Ein wichtiger Tipp für die Fahrt: Ladet euch die Karte für den Offline-Betrieb herunter. Das Handynetz bricht auf halber Strecke über die holprigen Feldwege garantiert ab.

Die Realitäts-Checkliste für den Einkauf

  • Kleine Scheine: Kommt nicht mit 50-Euro-Scheinen. Niemand hat um 9 Uhr morgens Wechselgeld für ein Glas Olivenpaste im Wert von vier Euro. Packt 10er, 5er und reichlich Münzen ein.
  • Die beste Uhrzeit: „Früh sein“ heißt auf Ibiza nicht 6 Uhr morgens. Wenn ihr gegen 9:30 Uhr auftaucht, seid ihr rechtzeitig dran, um die besten Stücke abzugreifen, bevor die Mittagshitze über der Insel steht.
  • Die Sache mit den Tüten: Plastiktüten sind auf der Insel ohnehin verpönt und auf den Bio-Märkten schlicht nicht existent. Bringt euren eigenen Jutebeutel oder einen Bastkorb mit.
  • Parken: Stellt euch auf kreatives Einparken an staubigen Straßenrändern ein. Zieht das Handbremsseil fest an, viele der improvisierten Parkplätze liegen am Hang.

Wenn die Taschen voll sind und die Füße vom Staub der Rennbahn grau aussehen, macht man es am besten wie die Einheimischen: Einkäufe in den Kofferraum werfen und zum nächsten Strandlokal auf ein kühles Estrella Galicia fahren.