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Es Cavallet: Ibizas FKK-Strand zwischen Salzfeldern und Beachclubs

Wenn man die holprige Straße an den Salzbecken von Ses Salines entlangfährt, riecht die Luft im Juli schon nach warmem Kiefernholz und trockenem Salz. Am Ende dieser Piste liegt Es Cavallet. Kein gewöhnlicher Küstenstreifen, sondern Ibizas ältester offizieller FKK-Strand und seit Jahrzehnten ein Fixpunkt der LGBTQ+-Szene. Wer hier sein Handtuch ausbreitet, findet eine ziemlich entspannte Mischung aus purer Natur und den teils absurden Preisen der ibizenkischen Beachclubs.

Die Lage hinter den Salzfeldern

Die Geografie ganz im Süden der Insel schirmt Es Cavallet fast komplett ab. Eine felsige Landzunge mit dem alten Wehrturm Torre de ses Portes trennt ihn vom deutlich lauteren und familienlastigeren Nachbarstrand Ses Salines. Wer am Wasser steht, schaut direkt aufs offene Meer bis rüber nach Formentera und hat im Rücken die geschützten Dünen. Die Brandung spült hier oft getrocknetes Posidonia-Seegras an – das sieht auf den ersten Blick vielleicht nicht nach Hochglanzkatalog aus, verhindert aber ganz pragmatisch, dass der feine Sand beim nächsten Herbststurm abgetragen wird.

Sand, Sonne und die fehlenden Badehosen

Der Sand ist fein, das Wasser extrem flach. Man muss gute fünfzig Meter hineinwaten, bis einem das Wasser im August überhaupt bis zur Hüfte steht. Die Atmosphäre am Es Cavallet ist völlig unaufgeregt. Der Strand teilt sich grob in drei Zonen: Am Nordende rund um die Restaurants bleibt die Badehose meistens an. In der Mitte dominiert klassisches FKK, und der südliche Abschnitt ist das Revier der schwulen Community. Niemand schaut schief, egal wer neben wem liegt oder ob man mit oder ohne Bikini sonnt.

Infrastruktur und die Sache mit dem Geld

Obwohl man sich mitten in einem Naturpark befindet, gibt es am Es Cavallet eine ausgebaute Infrastruktur. Das bringt allerdings die typischen Ibiza-Preise mit sich.

  • El Chiringuito Es Cavallet: Direkt am nördlichen Eingang gelegen. Ein Teller fangfrischer Calamari kostet hier schnell mal 28 Euro, der Cortado danach schlägt mit 4 Euro zu Buche. Die Qualität stimmt, man sitzt fantastisch im Schatten, aber man bezahlt die Lage definitiv mit.
  • Chiringay (Südende): Eine absolute Insel-Legende. Ab 15 Uhr werden die Beats lauter, die Tische füllen sich, und die starken Cocktails (um die 18 Euro) wandern im Minutentakt über den Tresen.

Die Miete für zwei Liegen und einen Sonnenschirm liegt im vorderen Bereich oft zwischen 50 und 80 Euro pro Tag. Wenn ihr im Juli oder August nicht schon um 10:30 Uhr da seid, sind die besten Plätze ohnehin reserviert.

Zu Fuß zum Wachturm

Wenn mir das Liegen auf dem Handtuch zu eintönig wird, laufe ich meistens die Küste nach Süden ab. Das Ziel ist der Wehrturm Torre de ses Portes, der die Spitze der Halbinsel markiert. Man stapft etwa 40 Minuten durch weichen Sand und über flache Felsen. Der Ausblick auf die Meerenge Es Freus entschädigt für den Schweiß. Nehmt unbedingt eine Flasche Wasser mit – auf dem Weg gibt es absolut keinen Schatten.

Anreise und der Ärger mit dem Parkplatz

Die Anfahrt: Von Ibiza-Stadt braucht man mit dem Mietwagen knapp 15 Minuten. Die Straße zweigt hinter Sant Jordi ab. Das Parken ist allerdings der anstrengendste Teil des Tages. Der staubige Schotterparkplatz am Nordende kostet im Sommer 6 Euro. Wichtig: Bringt Bargeld mit. Das Kartenlesegerät des Parkwächters funktioniert gefühlt seit drei Jahren nicht richtig. Ab 11:30 Uhr vormittags ist der Platz in der Hochsaison gnadenlos voll. Dann heißt es umkehren oder ewig auf jemanden warten, der wegfährt. Eine nervenschonende Alternative ist der Bus L11, der in Ibiza-Stadt startet und direkt an der Abzweigung zu den Stränden hält.

Die beste Zeit: Morgens um 9 Uhr gehört einem der Strand fast allein, das Wasser ist spiegelglatt. Ab 17 Uhr wird das Licht weicher, die Luft kühlt etwas ab und das Publikum in den Chiringuitos wird feierfreudiger.

Die Dünen: Da Es Cavallet ein Naturschutzgebiet ist, sind die Dünen im Hinterland mit Holzpflöcken und Seilen abgesperrt. Trampelt nicht für ein Foto durch das Dünengras – es ist das Einzige, was den Sand bei Wind festhält.

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Fotografie: JanManu, via Wikimedia Commons