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Es Canar: Ostküsten-Alltag zwischen flachem Wasser und dem Punta Arabí

Die meisten Verkehrsschilder sagen „Es Canar“, Reiseführer schreiben oft „Es Canyar“. Wie auch immer man diesen kleinen Ortsteil von Santa Eulària des Riu buchstabiert – er hat zwei völlig unterschiedliche Gesichter. An sechs Tagen der Woche ist es ein verschlafener, unaufgeregter Küstenort. Doch jeden Mittwoch zwischen April und Oktober ändert sich die Taktung komplett, wenn der älteste Hippiemarkt Ibizas das benachbarte Clubgelände in Beschlag nimmt.

Der Strand: Flaches Wasser und 25-Euro-Liegen

Dass Es Canar so viele Familien anzieht, hat einen simplen geografischen Grund. Der halbmondförmige Sandstrand geht extrem flach ins Meer über. Man kann hier gefühlt bis nach Formentera laufen, bevor man wirklich schwimmen muss. Wenn man im Juni oder späten September hier ist, hat man am Ufer reichlich Platz. Im August wird es handtuchbreit eng.

Ein Set aus zwei Sonnenliegen samt Schirm kostet an diesem Küstenabschnitt mittlerweile um die 20 bis 25 Euro pro Tag. Bringen Sie passendes Bargeld für den Kassierer mit, Kartenzahlung im Sand funktioniert fast nie. An der kleinen Promenade dahinter reihen sich unspektakuläre, aber solide Cafés aneinander. Ein Café con Leche für 3 Euro mit Blick auf die kleine Fähranlegestelle ist ein ziemlich guter Start in den Vormittag.

Mittwochs im Ausnahmezustand: Der Punta Arabí Markt

Mittwochs dreht der Ort auf. Der Punta Arabí Markt existiert seit den 1970er Jahren und hat sich zu einem riesigen Freiluft-Einkaufszentrum unter Pinien entwickelt. Erwartet hier keine einsamen Aussteiger mehr, die ihre Habseligkeiten auf einer Picknickdecke tauschen – das Gelände ist straff durchorganisiert.

Der Markt öffnet von 10:00 bis 19:00 Uhr. Wer klug ist, steht um Punkt zehn Uhr auf der Matte. Ab elf Uhr rollen die großen Reisebusse aus Playa d’en Bossa und San Antonio an, dann wird es an den engen Gängen zwischen den Ständen mühsam.

Ein essenzieller Tipp: Bringt unbedingt ausreichend Bargeld direkt aus Santa Eulària mit. Der Geldautomat direkt am Markteingang schlägt oft mit einer unverschämten Abhebegebühr von knapp 4 Euro zu Buche, und das WLAN für Kartenzahlungen der Händler bricht bei Tausenden Besuchern regelmäßig zusammen.

Was es zwischen den Pinien zu finden gibt:

  • Leder, Silber und Importware: Unter den über 500 Ständen gibt es viel massenproduzierte Batik, aber wer genau hinsieht, findet die echten lokalen Handwerker. Haltet Ausschau nach den Leuten, die hinter ihrem Stand tatsächlich gerade Leder punzieren oder Silberdraht biegen.
  • Trommeln und Paella: Rund um das große Zelt in der Mitte riecht es meist nach einer Mischung aus Räucherstäbchen und der riesigen Paella-Pfanne, die mittags frisch zubereitet wird. Hier formiert sich nachmittags auch oft ein spontaner Trommelkreis oder es spielen lokale Akustik-Bands.
  • Flüssige Nervennahrung: Ein frisch gepresster Orangen-Möhren-Saft an den kleinen Holzbuden kostet gut und gerne 6 Euro, rettet einen aber über das heftige Mittagstief im Juli.

Der Fußweg zur Cala Nova und trockene Flüsse

Ihr braucht in Es Canar nicht zwingend jeden Tag ein Auto. Ein wirklich lohnenswerter Ausflug kostet nur ein wenig Schweiß: Lauft vom nördlichen Ende des Strandes einfach den steinigen Küstenpfad entlang. Nach etwa 15 bis 20 Minuten Fußweg erreicht ihr die Cala Nova. Das Wasser dort ist oft noch klarer, der Sand feiner und die Wellen brechen deutlich rauer als in der geschützten Bucht von Es Canar.

Wer doch ins Auto steigt und Richtung Süden nach Santa Eulària fährt, sollte sich die Uferpromenade ansehen. Man rühmt sich dort stolz mit dem einzigen Fluss der Balearen. Seien Sie allerdings nicht enttäuscht: Im Hochsommer ist das Flussbett meistens ein staubtrockener Graben. Etwas weiter entfernt, kurz vor Ibiza-Stadt, liegt das kleine Dorf Jesús, wo man abends entspannt Tapas abseits der großen Touristenströme essen kann.

Anreise, Busse und die unpünktliche Fähre

Von Ibiza-Stadt aus nehmen die meisten den L13-Bus nach Santa Eulària und steigen dort in die kleine Linie 18A um. Das funktioniert reibungslos und kostet nur wenige Euro.

Eine weitaus schönere Alternative ist die kleine Passagierfähre, die im Sommer mehrmals täglich zwischen Santa Eulària, Cala Llonga und Es Canar pendelt. Verlasst euch nur nicht blind auf die Kreidetafeln mit den Abfahrtszeiten – zehn bis fünfzehn Minuten Verspätung sind hier der absolute Standard. Direkt hinter dem Strand liegt der weitläufige Club Punta Arabí. Die Anlage ist etwas in die Jahre gekommen, aber wegen der direkten Nähe zum Markt enorm praktisch. Wer dem Trubel komplett entgehen will, mietet sich in den kleineren Apartmentanlagen ein paar Straßen weiter landeinwärts ein.

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Fotografie: UnFUG-Fabi, via Wikimedia Commons