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Die Santa-Agnes-Bimmelbahn: Im Holper-Tempo durch Ibizas Hinterland

Wenn der Asphalt in San Antonio im Hochsommer flimmert und die Bässe der Beachclubs schon am frühen Nachmittag wummern, gibt es einen überraschend simplen Fluchtweg. Er ist leuchtend gelb, fährt maximal 20 Stundenkilometer und rattert lauter als jeder Linienbus. Die Santa-Agnes-Bimmelbahn – von den Ibizenkern schlicht Trenet genannt – zieht ihre offenen Anhänger stoisch aus dem Trubel der Küste hinein in eine völlig andere Welt.

Ich war anfangs skeptisch. Eine Touristenbahn? Das roch nach überteuerter Kaffeefahrt. Aber wenn man keine Lust hat, für einen kurzen Ausflug ins Landesinnere extra einen Mietwagen zu buchen oder sich in einen überfüllten Bus zu quetschen, ist dieser kleine Traktor-Zug eine verdammt charmante Alternative, gerade wenn man Kinder im Schlepptau hat.

Raus aus der Stadt, rein ins Campo

Die Fahrt ist eigentlich denkbar unspektakulär, und genau das macht sie so sympathisch. Sobald die Bahn die Stadtgrenze von San Antonio hinter sich lässt, übernehmen roter Staub und das trockene Grün der Pinien die Regie. Die Waggons rumpeln über schmale Landstraßen, vorbei an knorrigen Mandelbäumen und endlosen Margaritas – den typisch ibizenkischen Trockensteinmauern.

Die Federung der Holzbänke ist bestenfalls eine gut gemeinte Illusion. Man spürt jedes Schlagloch. Dafür weht einem durch die komplett offenen Seiten der Waggons der Duft von wildem Fenchel und Thymian um die Nase (und ab und zu eine kleine Brise Traktor-Abgas, wenn der Wind ungünstig steht). Für Kinder ist genau das großartig: Sie sitzen praktisch mitten in der Landschaft und können nach den Ästen greifen, die manchmal fast in den Wagen ragen.

Das Ziel der rund einstündigen Hinfahrt ist Santa Agnès de Corona. Erwartet hier keine große Action. Es ist ein winziges, verschlafenes Bauerndorf mit einer weiß getünchten Kirche und zwei Bars. Die Zeit reicht bei dem planmäßigen Stopp genau für einen Spaziergang über den staubigen Kirchplatz.

Tickets, Preise und der Kampf mit dem Fahrplan

Vergesst ausgeklügelte Online-Buchungssysteme. Das Ticketgeschäft läuft hier noch ganz analog ab. Die Bahn startet in San Antonio am Passeig de la Mar, meist in der Nähe des bekannten „Ei des Kolumbus“-Kreisverkehrs. Dort steht auch ein kleines Schild mit den Abfahrtszeiten, auf das man sich allerdings nur bedingt verlassen sollte.

Die aktuellen Preise (Stand Saison 2024) sehen so aus:

  • Erwachsene: Zwischen 12 und 15 € für die komplette Rundfahrt.
  • Kinder (ca. 3–12 Jahre): 6 bis 8 €.
  • Kleinkinder: Fahren auf dem Schoß der Eltern kostenlos mit.

Mein Tipp an der Kasse: Fragt gezielt nach dem Familienticket. Das steht nicht immer groß auf dem Schild, spart euch aber ein paar Euro. Und nehmt Bargeld mit. Das Kartenlesegerät des Fahrers hat im lokalen Handynetz gerne mal Aussetzer, was die Schlange beim Einsteigen unnötig in die Länge zieht.

Die Bahn fährt von Mai bis Oktober täglich. Meist gibt es eine Tour am späten Vormittag (gegen 11:00 Uhr) und eine am frühen Nachmittag. In der Nebensaison bleibt der Traktor oft wochenlang in der Garage. Checkt die Zeiten unbedingt ein, zwei Tage vorher direkt am Abfahrtsort ab.

Was ihr vor der Fahrt wissen müsst

Ein paar praktische Dinge, die einem vorher niemand sagt:

  • Der Schatten-Irrtum: Die Wagen haben zwar ein Plastikdach, aber die Sonne knallt nachmittags schräg durch die offenen Seiten. Cremt euch vorher gut ein und packt einen Hut ein, der bei Fahrtwind nicht sofort wegfliegt.
  • Die Zeitrechnung: Plant für den gesamten Trip (Hinweg, Pause, Rückweg) knapp zwei Stunden ein.
  • Der Bar-Hack in Santa Agnès: Wenn der Zug im Dorf hält, laufen die meisten direkt zur Kirche. Geht stattdessen gleich schräg gegenüber ins Can Cosmi. Bestellt euch ein Stück von deren berüchtigter Tortilla und eine kalte Limonade. Die Pause reicht exakt dafür, bevor der Fahrer mahnend auf die Hupe drückt.

Lohnt sich das Ticket?

Wer tiefgehende historische Erklärungen über Kopfhörer oder bequeme Polstersitze erwartet, wird vom Trenet enttäuscht sein. Wer aber für ein paar Euro dem Trubel von San Antonio entkommen und Ibizas staubiges, ruhiges Hinterland im Vorbeirattern aufsaugen will, verbringt hier einen wunderbar entspannten Nachmittag. Es ist laut, es wackelt, und es ist absolut authentisch.

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