Wer im Hochsommer auf Ibiza dem Club-Kater oder vollen Stränden entfliehen will, landet meist irgendwann auf der Fähre nach Formentera. Die Überfahrt mit Trasmapi oder Balearia kostet rund 40 bis 50 Euro hin und zurück – und ja, die Nachmittagsboote haben in der Hauptsaison eigentlich fast immer 15 bis 20 Minuten Verspätung. Wenn man aber erst einmal im Hafen von La Savina von Bord geht, schaltet die Insel sofort einen Gang runter. Das eigentliche Zentrum dieses entspannten Rhythmus liegt am anderen Ende von Formentera, ganz oben auf dem Plateau: der Kunsthandwerksmarkt in El Pilar de la Mola.
Jeden Sonntag (und in der Hochsaison auch mittwochs) bauen hier echte Kunsthandwerker ihre Stände auf. Wer billige Plastik-Magnete aus Fernost oder generische bedruckte Ibiza-Shirts sucht, ist hier falsch. Die Organisatoren sind streng: Zugelassen wird nur, wer auf den Pitiusen – also Ibiza und Formentera – selbst produziert. Hier verkauft der Typ, der dir den Ledergürtel über den Tisch reicht, genau das Stück, an dem er am Vortag noch in seiner Werkstatt gearbeitet hat.
Was es an den Ständen wirklich gibt (und was man bar bezahlen sollte)
Der Platz in El Pilar de la Mola ist von großen Pinien beschattet, was im August, wenn der Staub in der Luft steht, überlebenswichtig ist. In der Mitte des Geländes spielt oft eine lokale Band – meist ergraute Alt-Hippies, die überraschend soliden Blues-Rock abliefern. Zwischen dem Geruch von Kaffee und gebrannten Mandeln findet man an den gut 100 Ständen Dinge, die tatsächlich ihr Geld wert sind:
- Silberschmuck und Leder: Handpunzierte Gürtel, dicke Ledersandalen und massive Silberringe. Rechnen Sie für einen gut gearbeiteten Ring mit 40 bis 80 Euro.
- Leinen und Baumwolle: Handgewebte Tücher und Kleider. Vieles sieht nach Batik aus, greift die staubigen Erdtöne Formenteras auf und ist extrem hochwertig verarbeitet.
- Kunst ohne Kitsch: Keine Drucke von der Stange, sondern echte Aquarelle, Skulpturen und Fotografien der rauen Steilküste.
- Lebensmittel für den Koffer: Intensiver Inselhonig, Feigenbrot, dicke Stücke von handgemachter Kräuterseife und lokales Olivenöl.
Ein extrem wichtiger Rat: Nehmen Sie ausreichend Bargeld mit. Die meisten Stände haben mittlerweile zwar SumUp-Kartenleser, aber die Netzabdeckung auf der Hochebene schwankt gewaltig und oft bricht die Verbindung ab. Es gibt im Dorf El Pilar de la Mola zwar einen Geldautomaten (oft von Euronet), aber der knöpft Ihnen für jede Abhebung schnell mal fast 4 Euro Gebühr ab. Sparen Sie sich das und heben Sie vorher auf Ibiza oder direkt am Hafen in La Savina Geld ab.
Fähre, Roller und die PM-820: So kommen Sie hin
Der Markt öffnet von Mai bis Ende Oktober (offiziell schon ab April, aber im Frühjahr stehen oft nur eine Handvoll Stände dort). Gegen 11 Uhr geht es los, und ab 14 Uhr wird es spürbar leerer, weil die Hitze drückt und alle an den Strand flüchten.
Von La Savina ans andere Ende der Insel sind es etwa 18 Kilometer. So überbrücken Sie die Strecke am besten:
- Mit dem Roller: Meine absolut bevorzugte Variante. Direkt am Hafen gibt es unzählige Vermieter wie Cooltra oder Formotor. Ein 125er-Roller kostet im Sommer etwa 30 bis 40 Euro am Tag. Die Fahrt über die schnurgerade PM-820 durch die Pinienwälder und den finalen Serpentinen-Anstieg auf das Plateau macht extrem viel Spaß. Oben angekommen, findet man mit dem Zweirad auch deutlich leichter einen Parkplatz am Straßenrand als mit dem Mietwagen. Auf dem Weg nach oben passieren Sie übrigens die Molí Vell de la Mola, eine der alten Windmühlen aus dem 18. Jahrhundert.
- Der Insel-Bus: Die Linie L2 fährt vom Hafenbahnhof direkt hoch zur Mola. Ein Einzelticket kostet knapp 3 Euro. Der Haken: In der Hochsaison sind die Busse oft rammelvoll und die Klimaanlage kämpft verzweifelt gegen die Außentemperaturen an.
- Das Taxi: Bequem, aber mit rund 25 bis 30 Euro pro Strecke nicht ganz günstig.
Der Abstecher zum Leuchtturm
Wenn Sie ohnehin schon in El Pilar de la Mola sind, fahren Sie die Hauptstraße einfach noch zweieinhalb Kilometer weiter bis ans östliche Ende der Insel. Dort steht der Far de la Mola direkt an der über 100 Meter hohen Steilküste. Man kann für ein paar Euro ins kleine Leuchtturmmuseum gehen, aber eigentlich reicht es völlig, sich (mit respektvollem Abstand zur ungesicherten Kante) auf die Felsen zu setzen und auf das tiefe Blau des Mittelmeers zu schauen. Auf dem Rückweg Richtung Hafen bietet sich dann ein spätes Nachmittagsbad am kilometerlangen Platja de Migjorn an – dort kühlt das Meerwasser den Staub des Markttages endgültig ab.
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