Rettung vor der Mittagshitze
Die Straße in den Norden Ibizas windet sich in engen Kurven hinab zur Bucht von Port de Sant Miquel. Bevor man jedoch den Sand zwischen den Zehen spürt, taucht auf der rechten Seite die unscheinbare Einfahrt zur Cova de Can Marça auf. Ich war das letzte Mal im Juli dort, als das Thermometer bereits um elf Uhr vormittags die 34-Grad-Marke knackte. In solchen Momenten klingt der Gedanke an eine 20 Grad kühle Tropfsteinhöhle weniger nach einem geologischen Ausflug und mehr nach purer Erleichterung.
Schmuggler, Ruß und rote Farbe
Die Geschichte der Höhle liest sich eigentlich ganz spannend, wenn man die glattgebügelten Touristenbroschüren beiseitelegt. Lange bevor Reisebusse hier parkten, nutzten echte Schmuggler das labyrinthartige System, um Tabak, Kaffee und Alkohol vor der Guardia Civil zu verstecken. Wenn man genau hinsieht, erkennt man an den Wänden noch die schwarzen Rußspuren der Fackeln. Die Schmuggler pinselten zudem kleine, verblichene rote Markierungen an die Felswände, damit sie im Dunkeln wieder herausfanden. Halten Sie mal Ausschau danach, wenn der Guide mit der Taschenlampe in die Ecken leuchtet.
Seit den frühen Achtzigern ist die Anlage für Besucher erschlossen. Das merkt man ihr teilweise an – aber genau diese leicht in die Jahre gekommene Infrastruktur macht für mich den Charme des Ortes aus.
Treppenstufen und Synthesizer-Klänge
Um überhaupt zum Eingang zu gelangen, muss man erst einmal die Klippe hinunter. Ein schmaler Pfad, der direkt in den Fels gehauen ist, führt in die Tiefe. Tipp: Bleiben Sie ab und zu stehen, anstatt nur auf die Füße des Vordermanns zu schauen. Der Blick von diesem in den Fels geschlagenen Weg hinab auf das tiefblaue Wasser und die kleine Insel Murada ist fantastisch.
Der rund 40-minütige Rundgang durch die Höhle selbst hält ein paar Besonderheiten bereit:
- Die Luftfeuchtigkeit: Sobald man die ersten Meter im Inneren zurückgelegt hat, spürt man die Feuchtigkeit. Die Stalaktiten und Stalagmiten tropfen kontinuierlich, der Boden ist nass und stellenweise extrem rutschig.
- Die Licht- und Tonshow: Das offizielle Highlight der Tour ist der künstliche Wasserfall. Wenn ich ehrlich bin: Die Show hat einen massiven Retro-Vibe. Rote, grüne und blaue Scheinwerfer strahlen die Tropfsteine an, dazu dröhnt dramatische Synthesizer-Musik aus versteckten Lautsprechern. Es ist ein wenig kitschig, macht aber auf eine fast schon nostalgische Art ziemlich viel Spaß.
- Der Aufstieg: Am Ende der Führung warten knapp 400 Stufen darauf, wieder erklommen zu werden. Das geht bei der feuchten Luft ordentlich in die Waden.
Praktische Details für den Besuch
Tickets und Zeiten: Der Eintritt kostet aktuell an der Tageskasse 12,50 Euro für Erwachsene, Kinder zahlen 8,50 Euro. Im Sommer (Mai bis Oktober) starten die Führungen ungefähr alle 45 Minuten, beginnend ab 10:30 Uhr. Man kauft sein Ticket und wartet dann einfach oben an der Klippe, bis die nächste Gruppe aufgerufen wird.
Die Parkplatz-Falle: Es gibt direkt an der Straße einen kostenlosen Schotterparkplatz. Der Haken? Er ist im Hochsommer ab 11:30 Uhr gnadenlos überfüllt, und die Autos parken sich gegenseitig zu. Kommen Sie am besten direkt zur ersten oder zweiten Führung am Vormittag. Alternativ kann man unten am Strand von Port de Sant Miquel parken und den steilen Weg nach oben laufen – was in der Mittagssonne allerdings schweißtreibend ist.
Getränke und Schuhe: Der kleine Kiosk oben am Wartebereich verkauft zwar kühle Getränke, aber eine einfache Dose Limonade schlägt hier ordentlich zu Buche. Bringen Sie unbedingt eine eigene Wasserflasche mit. Was das Schuhwerk angeht: Lassen Sie die Flip-Flops im Auto. Der feuchte Höhlenboden verlangt nach echten Sneakern mit Profil, sonst rutscht man auf dem nassen Gestein unweigerlich aus.
Nach der Höhle an den Strand
Wenn Sie die 400 Stufen wieder nach oben bewältigt haben, empfehle ich, das Auto stehen zu lassen (sofern Sie einen guten Parkplatz ergattert haben) oder direkt hinunter zum Strand von Port de Sant Miquel zu fahren. Am rechten Rand der Bucht liegt das Restaurant Port Balansat. Es sieht von außen unscheinbar aus, serviert aber ein hervorragendes Bullit de Peix – den traditionellen ibizenkischen Fischeintopf, der in zwei Gängen mit Reis serviert wird. Eine ziemlich perfekte Methode, um die verbrannten Kalorien vom Treppensteigen wieder aufzufüllen.
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Fotografie: Saaremees, via Wikimedia Commons
