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Cala Salada und Cala Saladeta: Ibizas Buchten-Duo im Realitätscheck

Wenn du von Sant Antoni aus die kurvige Straße Richtung Norden fährst, ändert sich Ibiza spürbar. Die großen Clubs und Betonhotels verschwinden, die Pinienwälder werden dichter. Irgendwann stehst du vor einer Schranke. Die Cala Salada ist schon lange nicht mehr geheim – wer hier im Juli oder August nachmittags spontan aufschlägt, wird vom Parkwächter gnadenlos abgewiesen. Aber wenn du es morgens rechtzeitig an den Strand schaffst, verstehst du sofort, warum die Einheimischen ausgerechnet diesen Abschnitt im Nordwesten so hartnäckig gegen den kompletten Massentourismus verteidigen.

Die Hauptbucht: Cala Salada

Der erste Strandabschnitt, an dem du ankommst, ist die Cala Salada selbst. Der Sand ist hier etwas grobkörniger, durchsetzt mit kleinen Kieselsteinen und flachen Felsen, auf denen sich die Leute kreuz und quer ausbreiten. Es gibt einen rudimentären Verleih für Liegen und Schirme. Rechne mit etwa 15 bis 20 Euro pro Stück – allerdings sind diese in der Hochsaison meistens schon um 10:30 Uhr restlos vergeben. Wer zu spät kommt, legt sein Handtuch eben auf den Stein.

Das Wasser fällt angenehm flach ab, was den Strand voll von spanischen Familien macht. Ein kleines Manko, das auf Instagram-Fotos gern weggefiltert wird: Wenn der Wind einige Tage stark aus Westen weht, treibt oft loses Seegras in die Bucht. Das sonst extrem klare Wasser wird dann etwas trübe. Mich stört das kaum, aber wer makelloses Karibik-Feeling auf Knopfdruck erwartet, ist an solchen Tagen manchmal enttäuscht.

Kletterpartie zur Cala Saladeta

Die meisten Besucher schauen vom Hauptstrand direkt nach rechts. Dort liegt die Nachbarbucht Cala Saladeta, getrennt durch eine felsige Landzunge. Ich sehe jedes Jahr Touristen, die versuchen, diesen Pfad in Flip-Flops oder barfuß zu bezwingen – tu dir das nicht an. Zieh für die zehn Minuten echte Sneaker an. Die Steine sind vom vielen Drüberlaufen extrem glatt poliert und rutschig.

Drüben angekommen, gibt es feineren hellen Sand und null Infrastruktur. Keine Liegen, keine Mülleimer, keine Toiletten. Du musst alles selbst mitbringen. Dafür hat das Wasser hier diesen intensiven, tiefblauen Kontrast zu den roten Felsklippen. Ein kleiner Trost für alle, die bei der Hitze ihr Wasser im Auto vergessen haben: Im Sommer klettern meistens ein paar geschäftstüchtige Einheimische mit Kühltaschen über die Felsen und verkaufen eiskaltes Wasser, Dosenbier oder frisch gemixte Mojitos für rund 10 Euro direkt am Handtuch.

Knoblauch, Dorade und Papiertischdecken

Direkt an den Klippen der Hauptbucht klammert sich das Restaurant Cala Salada an den Felsen. Erwarte hier keinen durchgestylten Beach-Club mit House-DJ und überteuertem Sushi. Das hier ist alte balearische Schule: Papiertischdecken, rustikale Stühle und Kellner, die den Job gefühlt schon seit dreißig Jahren machen.

Die traditionelle Paella ist grundsolide, aber ich bestelle meistens den gegrillten Wolfsbarsch oder die Dorade. Mit ein paar Beilagen wie der typischen Saladeta (einem einfachen Paprika-Zwiebel-Salat) und einem kühlen Hierbas auf Eis bist du schnell bei 35 bis 40 Euro pro Person. Allein der Blick von der Terrasse hinunter aufs Wasser rechtfertigt die Rechnung. Wichtig: Ohne Reservierung hast du zwischen Mitte Juni und Mitte September kaum eine Chance auf einen Tisch. Ruf ein paar Tage vorher an – auf Spanisch klappt es erfahrungsgemäß deutlich reibungsloser.

Meine Tipps für den Strandtag

  • Anreise & Parken: Die Zufahrtsstraße ist eng. In der Hochsaison wird die Straße oben am Berg ab ca. 9:30 Uhr morgens per Schranke gesperrt, sobald der gebührenpflichtige Parkplatz unten (ca. 4 Euro) voll ist. Wenn du zu spät bist, musst du am Sportzentrum in Can Coix parken und den Shuttle-Bus (Linie 34) nehmen. Der kostet 2,50 Euro pro Strecke und ist ehrlich gesagt oft die stressfreiere Variante, weil du dir das Manövrieren auf der engen Klippenstraße sparst.
  • Wann du kommen solltest: Am Wochenende trifft sich hier halb Sant Antoni. Wenn du kannst, komm an einem Dienstag- oder Mittwochmorgen im späten September. Das Meer ist noch badewannenwarm, die Schranke bleibt oft länger offen und du findest problemlos Platz für dein Handtuch.
  • Badeschuhe: Speziell für den steinigen Einstieg in der Cala Saladeta sind Neopren-Badeschuhe Gold wert. Die Steine im Flachwasser sind rutschig und teils scharfkantig.

Pack dir genug Sonnencreme ein, stell dich auf den morgendlichen Ansturm an der Schranke ein und genieß das Wasser. Wenn man die logistischen Hürden der Anreise einmal hinter sich hat, ist dieser Küstenabschnitt schlichtweg einer der besten Orte der Insel, um einfach den ganzen Tag aufs Meer zu starren.

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