Wer im Juli auf der Landstraße an Sant Josep vorbeifährt, reiht sich meist in die endlose Blechkolonne Richtung Cala Comte oder Cala Bassa ein. Biegt man jedoch vorher ab, auf halber Strecke zwischen der trubeligen Cala Tarida und der Cala Carbó, landet man an der Cala Moli. Keine dröhnenden Beach-Clubs, keine Parkplatzwächter mit Trillerpfeifen. Stattdessen eine schmale, von Pinien flankierte Bucht, in der man das Handtuch ausbreiten kann, ohne dem Nachbarn auf die Füße zu treten.
Sand, Steine und das richtige Schuhwerk
Die Bucht ist kein endloser Puderzuckerstrand. Der Uferbereich beginnt zwar mit grobem, goldgelbem Sand, geht aber an der Wasserlinie in glatte Kieselsteine über. Mein Tipp: Packen Sie unbedingt Neopren-Badeschuhe ein. Auch wenn die Steine rundgewaschen sind, läuft es sich damit deutlich entspannter ins Wasser – das spart gerade Familien mit kleinen Kindern einige Tränen. Weil hier der aufgewirbelte Sandgrund fehlt, ist das Wasser extrem klar. Man sieht jeden kleinen Fisch, der um die eigenen Knöchel schwimmt, was das Schnorcheln direkt am Ufer erstaunlich lohnenswert macht.
Wind von Westen: Platz für Anfänger
Ibiza ist nicht Fuerteventura, doch die Cala Moli hat sich aus gutem Grund zu einem Anlaufpunkt für Wind- und Kitesurfer entwickelt. Die Bucht ist so geschnitten, dass sie den groben Wellengang abfängt, während der Wind hier am Nachmittag verlässlich und konstant weht. Direkt am Strand steht eine kleine Surfschule, die sich genau auf diese Bedingungen eingestellt hat.
Ein zweistündiger Schnupperkurs für absolute Neulinge liegt preislich meist bei etwa 45 bis 50 Euro. Das Leihmaterial ist gut gepflegt und nicht von jahrelanger Salzwassernutzung zerschlissen. Die Instruktoren wechseln fließend zwischen Spanisch, Englisch und oft auch Deutsch. Der größte Luxus hier ist aber der Platz auf dem Wasser: Sie können in Ruhe üben, aufs Brett zu kommen, ohne Angst haben zu müssen, gleich beim ersten Wasserstart drei Schwimmer abzuräumen.
Tapas, Dorade und das Funkloch
Das Strandrestaurant in der Mitte der Bucht verzichtet auf übertriebenen Schick und setzt stattdessen auf solide Holztische im Schatten. Ein Café con Leche kostet hier rund 3,50 Euro, was für die erste Strandlinie auf Ibiza absolut im Rahmen liegt. Die Küche serviert klassische Patatas Bravas, Pimientos de Padrón und frische Dorade, die direkt vom Grill kommt.
Wenn Sie abends bleiben: Sichern Sie sich gegen 18 Uhr einen Tisch ganz vorne an der Kante. Die Sonne versinkt hier exakt im Meer. Einziges, oft verschwiegenes Manko: Das Handynetz in der Bucht ist so schwach, dass das Kartenlesegerät des Restaurants regelmäßig streikt. Nehmen Sie also unbedingt ausreichend Bargeld mit, um beim Bezahlen nicht plötzlich Teller spülen zu müssen.
Praktische Details für die Anreise
- Anfahrt und Parken: Von der Cala Tarida kommend schlängelt sich eine asphaltierte Straße hinab zur Bucht. Es gibt keinen großen Schotterparkplatz, man parkt einfach am Straßenrand. Wer im August nach 11:30 Uhr ankommt, parkt weit oben am Hang und läuft gut zehn Minuten in der prallen Sonne bergab.
- Liegen und Schirme: Zwei Holzliegen mit einem Schirm schlagen je nach Saison mit 25 bis 30 Euro zu Buche. Süßwasserduschen und Toiletten gehören zum Restaurant, sind aber sauber und frei zugänglich.
- Die Fahrt verbinden: Wenn der Wind am späten Nachmittag für Ihren Geschmack zu stark wird, fahren Sie die Steilküste einfach wieder ein Stück hinauf. An der Straße Richtung Cala Carbó gibt es mehrere unmarkierte Haltebuchten. Stellen Sie den Motor ab, treten Sie an die Klippenkante und schauen Sie auf die Westküste hinab – völlig kostenlos und meist ohne eine andere Menschenseele in Sichtweite.
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Fotografie: Barney Moss from London, UK, via Wikimedia Commons
