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Cala Llonga: Ibizas Ostküste ohne den Club-Wahnsinn

Wer im Hochsommer auf Ibiza landet, erwartet meistens wummernde Bässe und horrende Club-Preise. Doch die Ostküste tickt anders. Cala Llonga zieht sich wie ein Mini-Fjord tief ins Landesinnere. Keine VIP-Zelte, kein Schaumparty-Plakat weit und breit. Stattdessen trefft ihr hier auf Familien, die im flachen Wasser planschen, und Leute, die einfach nur in Ruhe ihr Buch lesen wollen. Ich war letzten September wieder dort und die Bucht liefert genau das ab, was der Name verspricht: einen sehr langen, breiten Sandstrand mit einer Infrastruktur, die den Urlaub extrem unkompliziert macht.

200 Meter Sand und extrem flaches Wasser

Die Form der Bucht schirmt den Strand vor starkem Wind und großen Wellen ab. Man kann gefühlt 50 Meter ins Wasser laufen, bevor es überhaupt bis zur Hüfte reicht – wenn man mit kleinen Kindern reist, ist das Gold wert. Jeden Sommer weht hier die Blaue Flagge für Wasserqualität. Wer es bequem mag: Zwei Sonnenliegen samt Schirm kosten aktuell rund 18 Euro pro Tag. Der Strand ist allerdings so absurd breit, dass ihr euer Handtuch auch völlig kostenlos in der vorderen Sandzone ausbreiten könnt, ohne dem Nachbarn auf die Pelle zu rücken.

Tretboote, Schnorcheln und ein steiler Aufstieg

Irgendwann wird das reine Auf-dem-Rücken-Liegen langweilig. Direkt an der Wasserlinie gibt es die klassischen Tretboote mit Rutsche (rechnet mit etwa 20 Euro für eine Stunde) und Kajaks. Solltet ihr schnorcheln wollen, spart euch die Mitte der Bucht. Über dem reinen Sandboden seht ihr höchstens mal einen verirrten grauen Fisch. Haltet euch stattdessen strikt an die felsigen Ränder auf der rechten Seite.

Ein kleiner Tipp für den späten Nachmittag: Zieht euch feste Turnschuhe an und sucht den Trampelpfad auf der linken Seite der Hügel. Der steinige Aufstieg dauert gut 20 Minuten und man kommt ordentlich ins Schwitzen, aber von oben überblickt ihr die gesamte leuchtende Küstenlinie.

Abendessen auf der Carrer de Cala Llonga (und die Sache mit dem Geldautomaten)

Das unter Stammgästen oft zitierte Restaurant ‚Wild Asparagus‘ hat seine Türen längst geschlossen. Das macht aber nichts. Entlang der Hauptstraße und der kleinen Promenade reihen sich ohnehin genug Tapas-Läden, Trattorien und Strandbars aneinander. Erwartet hier keine Michelin-Sterne-Küche, sondern ehrliche, solide Urlaubsgerichte. Eine ordentliche Paella für zwei Personen mit Blick aufs Wasser liegt bei rund 35 bis 40 Euro.

Eine wichtige Warnung am Rande: Hebt euer Bargeld am besten schon am Flughafen oder in Santa Eulària ab. Der gelb-blaue Euronet-Geldautomat in Strandnähe verlangt eine unverschämte Gebühr von 4,95 Euro pro Abhebung, egal für welchen Betrag.

Praktische Infos für den Aufenthalt

  • Für Kinder: Direkt im tiefen Sand gibt es einen kleinen Spielplatz. Wenn die Kleinen keine Lust mehr auf Salzwasser haben, ist der Übergang zum Schaukeln in zehn Sekunden erledigt.
  • Supermärkte: An der Hauptstraße findet ihr mehrere kleine Spar-Märkte. Die Preise sind etwas höher als im Inselinneren, aber ein frisches Baguette und eine 1,5-Liter-Flasche Wasser bekommt ihr zusammen immer noch für unter 3 Euro.
  • Fähre statt Bus: Vom kleinen Holzsteg am Strand fährt regelmäßig eine Personenfähre rüber nach Santa Eulària des Riu oder nach Es Canar zum Hippiemarkt. Wundert euch nicht: Aufgrund des Nachmittagswellengangs drüben bei Punta Arabí hat das Boot auf der Rücktour fast immer 15 bis 20 Minuten Verspätung.
  • Schlafen: Die Bucht wird von zwei massiven All-Inclusive-Bunkern flankiert, die optisch keinen Schönheitspreis gewinnen. Dahinter und in den Seitenstraßen verstecken sich aber unzählige ruhige, familiengeführte Apartments.

Ein ganz normaler Tag an der Ostküste

Der Rhythmus hier ist simpel. Ihr holt euch morgens einen Café con Leche für 2,50 Euro an der Promenade. Den Vormittag verbringt ihr im knietiefen Wasser. Mittags gibt es ein paar Bocadillos im Schatten der Pinien. Wenn abends die Sonne hinter den Hügeln verschwindet und die Temperaturen erträglich werden, bestellt ihr ein kaltes San Miguel in einer Strandbar und grabt die Zehen in den noch warmen Sand. Genau das ist die Seite von Ibiza, wegen der die Leute seit dreißig Jahren immer wiederkommen.

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Fotografie: Dreizung, via Wikimedia Commons