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Badia de Sant Antoni: San Antonios Stadtstrand im Realitätscheck

Vergiss die einsamen Pinienbuchten für einen Moment. Die Badia de Sant Antoni, der Hauptstrand von San Antonio, ist laut, urban und im August platzt sie aus allen Nähten. Trotzdem – oder genau deswegen – verbringe ich hier immer wieder gerne einen Nachmittag. Die Bucht ist das absolute Gegenteil von abgeschiedener Inselidylle. Hier trifft Sonnenöl auf Asphalt, und der Bass aus den Beachbars wummert schon ab der Mittagszeit. Es ist der perfekte Ort, um sich einfach mit einem kalten Estrella-Bier in den Sand zu setzen und das herrlich chaotische Treiben zu beobachten.

Lage und Charakter: Wo die Stadt ins Meer rutscht

Der Strand zieht sich direkt am Passeig de la Mar entlang, hinüber in Richtung der Felsen von Ses Variades. Wenn du aus dem L3-Bus aus Ibiza-Stadt steigst, fällst du quasi fast direkt auf den feinen Sand. Der Strandabschnitt selbst ist ziemlich schmal, hat aber einen unschlagbaren Vorteil: Das Wasser ist extrem flach. Du kannst gefühlt 50 Meter ins Meer hineinwaten und das Wasser reicht immer noch nur bis zu den Knien. Genau deshalb ist dieser Abschnitt für Familien mit kleinen Kindern so entspannt. Am Nachmittag ändert sich das Publikum etwas, wenn die Promoter der großen Clubs anfangen, Flyer für die abendlichen Partys zu verteilen.

Promenade und Sonnenuntergang: Das abendliche Ritual

Die palmenbepflanzte Uferpromenade ist die eigentliche Hauptschlagader der Bucht. Vormittags teilen sich hier noch Jogger und Leute mit dem ersten Kaffee des Tages den Platz. Gegen 17 Uhr ändert sich die Taktung. Alles schiebt sich langsam in Richtung Ses Variades, um zu sehen, wie die Sonne feuerrot im Mittelmeer versinkt.

Ein ehrliches Wort dazu: Das Spektakel sieht fantastisch aus, aber du teilst diesen Moment in der Hochsaison mit Tausenden anderen. Die Plätze in den ersten Reihen der bekannten Sunset-Bars erfordern oft einen völlig überzogenen Mindestverzehr – da ist man schnell bei 50 bis 100 Euro pro Person. Mein Tipp: Hol dir im kleinen Supermarkt an der Carrer de Santa Agnes ein paar kühle Getränke, setz dich direkt auf die Kaimauer und schau dir das Ganze von dort aus an. Gleiche Aussicht, deutlich entspannter.

Was auf dem Wasser passiert

  • Wassersport: Von SUPs bis zu Jetskis gibt es direkt am Strand mehrere Verleiher. Wer mit etwa 50 Euro für 20 Minuten Jetski rechnet, liegt meist richtig.
  • Bootsausflüge: Gleich nebenan am Hafenbecken starten die kleinen Holzfähren (Wassertaxis). Sie bringen dich für etwa 9 bis 12 Euro zu Stränden wie der Cala Salada oder Cala Bassa. Die Sache hat nur einen Haken: Im Sommer fahren die Boote oft streng nach dem Motto „Wir legen ab, wenn wir randvoll sind“. Der Fahrplan ist also eher als grober Richtwert zu verstehen, und man steht gerne mal 20 Minuten länger in der prallen Sonne am Pier.
  • Stadtflucht: Du brauchst nur die Straße zu überqueren und stehst mitten im Zentrum von San Antonio. Die kleine Kirche oder das Kulturzentrum Espai d’Art sind kühle Rückzugsorte, wenn die Mittagshitze auf dem Sand zu aggressiv wird.

Essen am Wasser: Zwischen Pizza und Paella

Die Promenade ist vollgestopft mit Lokalen. Von der 4-Euro-Pizzaschnitte auf die Hand bis zum 35-Euro-Seewolf ist alles dabei. Wer abends direkt am Wasser isst, zahlt für den Meerblick natürlich einen ordentlichen Aufschlag. Vermeide am besten die Restaurants, bei denen das Personal schon aggressiv mit bunten Menükarten auf dem Gehweg wedelt. Ein, zwei Straßen weiter landeinwärts isst man meist deutlich besser und zu faireren Preisen.

Praktische Tipps für die Nerven

Anfahrt & Parken: Komm im Juli oder August bloß nicht auf die Idee, mit dem Mietwagen direkt ans Wasser fahren zu wollen. Die Parkplatzsuche ist reine Nervensache und das große Schotterfeld hinter dem Busbahnhof ist oft schon um 10 Uhr dicht. Nimm den Bus. Die Verbindungen aus Ibiza-Stadt sind verlässlich, klimatisiert und kosten nur knapp über zwei Euro.

Ausrüstung & Bargeld: Liegen und Schirme kosten am Strandabschnitt normalerweise zwischen 10 und 15 Euro pro Stück. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – ab 11 Uhr wird es eng. Ein einfaches Handtuch reicht aber völlig. Und noch etwas Wichtiges: Meide die blau-gelben Euronet-Geldautomaten, die überall an der Promenade stehen. Sie berechnen oft fast 5 Euro Gebühr für eine einzige Abhebung. Lauf lieber fünf Minuten in die Stadt zu einem Automaten einer regulären spanischen Bank.

Beste Zeit: Wer den Strand zumindest halbwegs für sich haben will, muss vor 9:30 Uhr morgens aufkreuzen. Danach erwacht San Antonio, und die Bucht wird zu genau dem lauten und wunderbar lebendigen Ort, für den sie bekannt ist.

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Fotografie: Joselodos, via Wikimedia Commons