Es ist Mittwochmorgen, 10:30 Uhr, und die kleine Straße nach Es Canar staut sich bereits. Der Parkplatzwächter mit der neongelben Weste winkt mich auf ein staubiges Feld – 5 Euro für das Tagesticket, bar auf die Kralle. Punta Arabi ruft. Seit den 70er Jahren findet auf dem Gelände des Ferienclubs Ibizas ältester Flohmarkt statt. Keine Frage, der unschuldige Vibe von damals ist heute unter Schichten von Sonnencreme und Smartphone-Kameras etwas begraben worden, aber wenn man weiß, wo man suchen muss, blitzt er immer noch auf.
Wie alles anfing (und warum die Schule sich freute)
Die Geschichte dieses Ortes ist eigentlich ganz sympathisch. Anfang der 1970er Jahre bauten ein paar Aussteiger ihre Tische zwischen den Pinien auf, um handgemachten Schmuck zu verkaufen. Der Erlös ging damals als Spende an die örtliche Schule. Aus den knapp fünf Ständen der Anfangszeit sind heute über 500 geworden. Das Areal mit seinen weiß getünchten Bungalows ist mittlerweile so weitläufig, dass man sich beim ersten Besuch garantiert mindestens zweimal verläuft.
Ledergürtel oder Plastik-Sonnenbrille: Die Realität an den Ständen
Machen wir uns nichts vor: Wer heute über den Markt schlendert, sieht extrem viel Importware. In den Hauptgängen nahe dem Eingang reihen sich Stände mit 5-Euro-Plastiksonnenbrillen, bedruckten Ibiza-T-Shirts und billigem Modeschmuck, den man exakt so auch auf Bali oder in Barcelona findet, endlos aneinander.
Aber dann gibt es eben auch die andere Seite. Wenn man die stark frequentierten Hauptwege verlässt und sich in Richtung des Zeltes mit der Live-Musik durchschlägt, ändert sich das Sortiment. Da sitzt ein Handwerker, der seit zwanzig Jahren Ledergürtel punziert (ein echter, maßgefertigter Gürtel kostet hier um die 45 Euro). Es gibt Silberschmiede, die ihre Ringe direkt am Stand feilen, und Keramiker, die ihre Ware tatsächlich noch auf der Insel brennen. In diesen schmaleren Gassen riecht es dann auch wieder mehr nach Palo Santo als nach frischem Plastik.
Meine Tipps für den Mittwoch in Punta Arabi
- Bargeld mitbringen: Der Geldautomat direkt auf dem Gelände (meist Euronet) verlangt unverschämte Gebühren von fast 4 Euro pro Abhebung. Heben Sie Ihre Euros vorher in Santa Eulalia oder Ibiza-Stadt ab.
- Das Timing ist alles: Geöffnet ist von April bis Oktober jeden Mittwoch von 10:00 bis 18:30 Uhr. Im August gleicht der Markt mittags einem Backofen. Kommen Sie im Hochsommer direkt um 10 Uhr. Im späten Mai oder späten September reicht auch der entspannte frühe Nachmittag.
- Verlassen Sie die Mitte: Die echten Handwerker können sich die teuren Stände direkt am Haupteingang oft nicht leisten. Suchen Sie an den Rändern, unter den großen Bäumen und in den versteckten Winkeln zwischen den Club-Gebäuden.
- Essen und Trinken: Das 6-Euro-Bier am Hauptstand tut weh, aber an den kleineren Food-Trucks weiter hinten gibt es solide Empanadas für 4 Euro und frisch gepressten Orangensaft. Die Live-Musik am Nachmittag am großen Zelt ist meistens richtig gut.
- Handeln? Ja, aber fair: Bei der importierten Massenware können Sie den Preis problemlos drücken. Bei dem Silberschmied, der vier Stunden an einem Anhänger gesessen hat, zahle ich den geforderten Preis.
Anreise und der berüchtigte Fährverkehr
Die offizielle Adresse lautet Club Punta Arabi, Avenue Punta Arabí, 07849 Es Canar. Wer einen Mietwagen hat, stellt sich am besten auf den bereits erwähnten großen Parkplatz. Stressfreier und deutlich schöner ist eigentlich die kleine Fähre, die von Santa Eulalia herüberkommt.
Aber Achtung: Die Boote am späten Nachmittag zurück sind oft gnadenlos überfüllt und fast immer zu spät. Wenn Sie um 16 Uhr fahren wollen, stellen Sie sich am besten schon zwanzig Minuten früher an den Steg, sonst warten Sie auf die nächste Abfahrt.
Gehen Sie einfach mit der richtigen Erwartungshaltung hin. Sie werden hier nicht die komplette Erleuchtung der 68er-Bewegung finden. Aber um sich für ein paar Stunden treiben zu lassen, Leuten aus aller Welt zuzusehen und ein echtes, handgemachtes Souvenir abzustauben, ist Punta Arabi auch heute noch eine solide Wahl.