Winter auf Ibiza: Was man in dieser Saison tun und sehen kann Aktivitäten ansehen
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Ses Salines: Flamingos, Salzfelder und die Realität in Ibizas bekanntestem Naturpark

Wenn man im späten August über die schmale PM-802 Richtung Süden fährt, ändert sich plötzlich die Luft. Sie wird feuchter, riecht intensiv nach salziger Sole und trockenem Kiefernholz. Die meisten Leute im Bus der Linie 11 starren noch auf ihr Smartphone, bis links und rechts der Straße das Wasser unerwartet rosa schimmert. Der Naturpark Ses Salines ist schon lange kein einsames Naturidyll mehr – im Hochsommer schieben sich hier die Mietwagen fast im Schritttempo in Richtung Küste. Trotzdem ist dieses riesige Ökosystem aus Salzbecken, Lagunen und Pinienwäldern schlichtweg faszinierend, wenn man weiß, wo man hinsehen muss.

Flamingos und das UNESCO-Siegel

Seit 1999 steht das komplette Areal unter UNESCO-Schutz. Das liegt weniger an den Promis an den Stränden, sondern an der echten ökologischen Knochenarbeit, die dieses Feuchtgebiet leistet. Die Salinen sind ein gigantischer Rastplatz für Zugvögel auf der Route zwischen Afrika und Europa.

Wer Flamingos sehen will, braucht das richtige Timing. Die besten Chancen hat man zwischen August und Oktober. Die Vögel staksen oft im flachen Wasser nahe der Kirche Sant Francesc herum. Ein praktischer Tipp: Stellen Sie Ihr Auto auf dem staubigen Seitenstreifen vor der Kirche ab, aber passen Sie beim Einparken auf – der Straßengraben ist dort stellenweise tückisch tief. Ein Fernglas ist essenziell, denn die Tiere halten instinktiv einen gesunden Abstand zur lauten Hauptstraße.

Die Salzfelder und das pinke Wasser

Salz wird hier seit der Zeit der Phönizier abgebaut. Das System der Wasserkanäle und flachen Verdunstungsbecken funktioniert im Grunde noch wie vor hunderten Jahren. Was viele Besucher irritiert, ist die Farbe des Wassers im Spätsommer. Die Becken leuchten dann fast neonpink. Das ist keine chemische Verschmutzung, sondern liegt an extrem salzliebenden Mikroorganismen und kleinen Salinenkrebsen im Wasser – genau jenen Krebsen, die den Flamingos bei der Verdauung ihre rosa Federn bescheren.

Kurz vor Sonnenuntergang spiegeln sich die Wolken in den unbewegten, weißen Salzbecken. Das ist der Moment für die Kamera. Was Ihnen auf den Fotos allerdings niemand zeigt: Bringen Sie starkes Mückenspray mit. Sobald der Abendwind nachlässt, wird man an den Rändern der stehenden Gewässer gnadenlos zerstochen.

Zwei Strände, zwei Welten: Es Cavallet und Las Salinas

Am Ende der Straße gabelt sich der Weg zu den beiden Stränden des Parks. Beide sind wunderschön, könnten aber vom Publikum her kaum unterschiedlicher sein.

Playa de Es Cavallet

Biegt man links ab, landet man an einem weitläufigen, von Dünen gesäumten Küstenstreifen. Es Cavallet ist seit den 70er Jahren ein offizieller FKK-Strand. Die Atmosphäre ist deutlich entspannter als nebenan. Ein Detail, über das sich viele Touristen beschweren, das aber streng geschützt ist: Am Spülsaum türmen sich oft meterhohe, braune Berge aus getrocknetem Seegras (Posidonia). Es riecht an manchen Tagen etwas streng, verhindert aber, dass der Sand ins Meer gespült wird und hält das Wasser glasklar. Der Holzsteg durch die Dünen ist ideal für einen Spaziergang, heizt sich in der Mittagssonne im Juli allerdings so stark auf, dass man barfuß kaum darauf laufen kann.

Playa de Las Salinas

Der Strand auf der rechten Seite ist das Ibiza aus den Magazinen. Hier reihen sich bekannte Adressen wie der Jockey Club oder Sa Trinxa aneinander, und die Bässe wummern schon am späten Vormittag sanft über den Sand. Eine Strandliege kostet in der Hauptsaison schnell 30 bis 50 Euro, oft plus Mindestverzehr. Mein Rat: Sparen Sie sich das Geld, kaufen Sie ein kaltes Getränk im Supermarkt an der Straße und laufen Sie den Strand einfach weiter Richtung Süden hinunter. Je weiter man in Richtung des kleinen Wachturms am Ende der Bucht geht, desto feiner wird der Sand und desto ruhiger die Handtuch-Nachbarn. Das Wasser ist hier so flach, dass man gefühlt fünfzig Meter hineinwaten muss, bis man richtig schwimmen kann – perfekt für Familien.

Logistik für den Ausflug

Ein paar konkrete Dinge, die einem den Tag vor Ort deutlich leichter machen:

  • Mit dem Bus: Die Linie 11 startet in Ibiza-Stadt (meist an der Avenida d’Isidor Macabich) und kostet rund 3 Euro pro Strecke. Im Juli und August ist der Bus oft bis auf den letzten Stehplatz voll. Klimaanlage ist Glückssache.
  • Mit dem Mietwagen: Der große, beschattete Parkplatz zwischen den Stränden kostet in der Hauptsaison etwa 6 Euro für den Tag. Die Kassenautomaten sind notorisch zickig, was Kartenzahlung angeht – haben Sie unbedingt Münzen dabei. Das Handynetz ist auf dem Parkplatz extrem lückenhaft, weshalb Bezahl-Apps oft nicht laden.
  • Zu Fuß: Der flache Küstenweg bis zum Wachturm (und weiter zum Leuchtturm Far de ses Salines an der Südspitze) ist grandios. Nehmen Sie aber unbedingt eigenes Wasser mit. Sobald Sie die Strandbars hinter sich lassen, gibt es keinen Schatten und keinen Kiosk mehr.
  • Das Timing: Wenn Sie nicht wegen der Strandclubs kommen, meiden Sie die Mittagszeit im Sommer. Besuchen Sie die Salinen am späten Nachmittag. Die Temperaturen sind erträglicher, das Licht auf den Salzbergen ist besser und der Großteil der Strandgäste steht bereits im Stau auf dem Rückweg nach Ibiza-Stadt.

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Fotografie: Carmen vich, via Wikimedia Commons