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Dalt Vila: Ein Spaziergang durch 2.500 Jahre Geschichte in Ibiza-Stadt

Wer im August mittags den Aufstieg nach Dalt Vila wagt, flucht meistens schon nach den ersten fünfzig Metern. Die Altstadt von Ibiza-Stadt liegt komplett auf einem steilen Hügel, und die Sonne knallt hier oben gnadenlos auf den hellen Kalkstein. Doch wenn man die schweißtreibende Steigung erst einmal hinter sich hat, versteht man sofort, warum die UNESCO dieses Areal 1999 unter Schutz gestellt hat. Dies ist keine typische Touristenkulisse, sondern ein massives, verwinkeltes Labyrinth, das seit der Zeit der Phönizier durchgehend bewohnt wird.

Durch das Portal de Ses Taules in die Oberstadt

Der logische und imposanteste Startpunkt ist das Portal de Ses Taules. Sie starten unten am Alten Markt und spazieren über eine gepflasterte Rampe sowie eine hölzerne Zugbrücke, während zwei römische Statuen streng auf Sie herabblicken. Dahinter schlucken die meterdicken Mauern plötzlich den Lärm der Roller und Bars aus der Unterstadt. Diese Wehranlagen ließ König Philipp II. im 16. Jahrhundert hochziehen, um endlich Ruhe vor ständigen Piratenüberfällen zu haben – und sie sind bis heute komplett intakt.

Gehen Sie direkt hoch auf die Rundwege der Stadtmauer (La Muralla). Von den Bastionen aus haben Sie freie Sicht auf die Bucht, das Gewirr von Eivissa und hinüber nach Formentera. Kleiner Tipp: Wenn Sie von hier oben auf den Hafen schauen, können Sie wunderbar beobachten, wie die roten Formentera-Fähren eigentlich immer mit gut fünfzehn Minuten Verspätung ablegen.

Ganz oben: Die Kathedrale und eine klimatisierte Überraschung

Der Weg zur Plaza de la Catedral am höchsten Punkt der Zitadelle führt über Kopfsteinpflaster, das über die Jahrhunderte extrem glatt poliert wurde. Oben angekommen, steht man vor der Kathedrale von Santa Maria de las Nieves. Weil sich der Bau ewig hinzog, ist das Gebäude ein wilder, aber charmanter Mix aus nüchterner Gotik und späterem Barock. Drinnen ist es angenehm schlicht. Seien wir ehrlich: Die meisten bleiben ohnehin auf dem Vorplatz stehen, um das Panorama zu fotografieren und wieder zu Atem zu kommen.

Nur ein paar Gassen weiter, in der alten Waffenkammer an der Baluard de Santa Llúcia, wartet das Museu d’Art Contemporani d’Eivissa (MACE). Auch wenn Sie normalerweise keine Galerien besuchen – gehen Sie rein. Erstens zeigt das Museum erstaunlich gute spanische Kunst vom 20. Jahrhundert bis heute. Zweitens blicken Sie im Erdgeschoss durch einen Glasboden direkt auf freigelegte phönizische Ruinen. Und drittens (ein nicht zu unterschätzender Faktor im spanischen Sommer) ist das Gebäude hervorragend klimatisiert und der Eintritt ist völlig kostenlos.

Puig des Molins: Die Totenstadt hinter dem Hügel

Die meisten Besucher drehen nach der Kathedrale wieder um. Wenn Sie den Hügel jedoch auf der Rückseite verlassen, stoßen Sie auf den Puig des Molins, den Hügel der Windmühlen. Hier liegt die antike Begräbnisstätte der Stadt Ibosim. Phönizier und Karthager haben hier über Jahrhunderte hinweg tausende Grabkammern – sogenannte Hypogäen – direkt in den Fels gehauen.

Das Gelände ist staubig und in der Nachmittagssonne ziemlich heiß, aber absolut faszinierend. Im dazugehörigen Monografischen Museum liegen die Grabbeigaben: winzige Terrakotta-Figuren, Glasschmuck und Amulette, die den Toten mit auf den Weg gegeben wurden. Es ist der wahrscheinlich ruhigste Ort in ganz Ibiza-Stadt, weit weg von den Strandclubs und Boutiquen.

Konkrete Tipps für den Aufstieg

  • Die richtige Uhrzeit: Vergessen Sie die Stunden zwischen 12 und 16 Uhr. Kommen Sie gegen 9 Uhr morgens, wenn die Gassen noch leer sind, oder ab 19 Uhr. Das Licht auf dem Kalkstein ist abends ohnehin viel weicher.
  • Das Schuh-Problem: Die Steine in Dalt Vila sind rutschig wie Schmierseife. Wer hier mit Flip-Flops oder gar Absätzen hochstöckelt, knickt spätestens an der zweiten Ecke um. Sneaker mit gutem Profil sind Pflicht.
  • Kaffee und Geldautomaten: Rund um die Plaza del Sol gibt es hübsche Terrassen, aber stellen Sie sich auf gut 4 Euro für einen einfachen Cortado ein. Wenn Sie Bargeld brauchen, heben Sie es vorher bei einer regulären Bank in der Unterstadt ab. Die gelb-blauen Euronet-Automaten direkt am Fuß der Festung berechnen Ihnen gern mal 3,95 Euro Gebühr.
  • Eintrittspreise: Dalt Vila kostet nichts. Das Museum am Puig des Molins verlangt bescheidene 2,40 Euro (Stand 2024), sonntags kommen Sie sogar gratis rein.

Wenn Sie sich abends wieder an den Abstieg machen und die ersten Lichter im Hafen angehen, suchen Sie sich am besten eine kleine Bar abseits der Hauptwege. Bei einem kalten Estrella-Bier auf den steinernen Stufen sitzend, spürt man das Alter dieser Stadt viel deutlicher als auf jeder hastig absolvierten Sightseeing-Tour.

Fotografie: Ferran Nogués, via Wikimedia Commons