Wer sich im Hochsommer den steilen Weg zur Kathedrale von Dalt Vila hinaufkämpft, hat meist nur eines im Kopf: Schatten und eine kalte Flasche Wasser. Aber genau hier, am höchsten Punkt der Altstadt, wartet das Archäologische Museum (Museu Arqueològic d’Eivissa i Formentera). Ich war an einem ziemlich schwülen Dienstagnachmittag dort. Die klimatisierten Räume hinter den dicken Steinmauern bieten nicht nur eine physische Abkühlung, sondern zeigen ziemlich ungeschminkt, was Ibiza war, lange bevor die ersten Strandclubs öffneten.
Der Aufstieg zum Puig de Vila
Schon der Weg zum Museum sortiert die Besucher aus. Man rutscht auf dem abgewetzten Kopfsteinpflaster der engen Gassen leicht aus – feste Turnschuhe sind hier definitiv besser als Sandalen. Das Gebäude thront am Puig de Vila, direkt neben der mächtigen Kathedrale. Genau an dieser Stelle gründeten die Phönizier einst ihre Siedlung Ibosim. Wenn man durch den Eingang tritt, verschmilzt die Architektur des Museums fast nahtlos mit den wuchtigen historischen Bastionen. Man spürt sofort, dass man sich in einem echten Festungsbauwerk befindet und nicht in einem sterilen Neubau.
Von der Vorgeschichte bis zu den Phöniziern
Drinnen folgt man einem strikt chronologischen Pfad. Die ersten Vitrinen mit prähistorischen Steinwerkzeugen aus Formentera hakt man als Laie meist relativ schnell ab, aber danach wird es erstaunlich spezifisch.
Tonfiguren und Totenkulte
Ibiza war in der Antike kein unbedeutender Außenposten, sondern ein massiver Handelsknotenpunkt im westlichen Mittelmeer. Das merkt man an der schieren Menge der Fundstücke aus der phönizisch-punischen Ära. Überall stößt man auf die Terrakotta-Figuren der Göttin Tanit. Einige dieser Fruchtbarkeits- und Schutzsymbole sind so detailliert erhalten, dass die Gesichter fast unheimlich wirken. Besonders im Gedächtnis bleiben die nachgebauten Grabkammern. Sie zeigen Fundstücke aus der Nekropole von Puig des Molins (dem antiken Friedhof weiter unten in der Stadt) und demonstrieren sehr pragmatisch, wie die Punier ihre Toten für das Jenseits ausstatteten.
Römisches Blei und islamische Keramik
Danach macht die Geschichte der Insel einen Knick. Die Römer übernahmen die Herrschaft, aber Ibiza verlor spürbar an Bedeutung. Die römischen Münzen und Ankerteile wirken fast bescheiden im Vergleich zum punischen Prunk davor. Spannender wird es im Bereich der islamischen Epoche. Unter dem Namen Yebisah brachten die Mauren neue Bewässerungstechniken auf die Insel. Die hier ausgestellte glasierte Gebrauchskeramik aus dieser Zeit sieht man auf den Balearen in dieser Qualität nur selten, bevor die Ausstellung schließlich mit der Eroberung durch die Katalanen endet.
Fakten für den Besuch
Das Museum lässt sich gut an einem Vormittag einschieben, erfordert aber ein wenig Planung. Hier sind die konkreten Details:
- Adresse: Plaça de la Catedral, 3, 07800 Ibiza-Stadt. Wenn Sie vor der Hauptkirche stehen, schauen Sie einfach nach rechts.
- Öffnungszeiten: Montags ist generell geschlossen. Im Sommer (meist April bis Oktober) öffnet das Haus vormittags und nach einer langen Siesta abends noch einmal. Die Mittagspause sollte man ernst nehmen – pünktlich vor Schließung wird man höflich, aber sehr bestimmt zur Tür begleitet. Prüfen Sie die Zeiten vorab auf der Seite des Consell d’Eivissa, da sie sich oft kurzfristig ändern.
- Eintrittspreis: Das Standardticket kostet schmale 2,40 Euro. Studenten und Senioren zahlen die Hälfte, Kinder kommen meist gratis rein. Nehmt unbedingt Bargeld mit – das Kartenlesegerät an der Kasse hat durch die meterdicken Wände der Altstadt notorisch schlechten Empfang.
- Die Kombi-Route: Nach dem Museum bietet sich ein Spaziergang über die direkt angrenzenden Stadtmauern an. Von der Bastion Santa Tecla aus schaut man direkt auf den Fährhafen hinunter, wo die riesigen Schiffe von Baleària wie kleines Spielzeug wirken.
Kein verstaubtes Depot
Wer aus den abgedunkelten Ausstellungsräumen wieder hinaus in das grelle Sonnenlicht des Plaça de la Catedral tritt, hat erst mal genug Geschichte getankt. Das Museum macht jedoch eines sehr erfolgreich: Es verändert den Blick auf die Insel. Wenn man später am Nachmittag auf die Hügel im Landesinneren oder die Buchten im Süden schaut, sieht man nicht mehr nur Pinien und Sand, sondern die alten Handelsrouten der Punier und Römer. Danach empfehle ich einen eiskalten Cortado auf der Terrasse am Plaza del Sol auf halbem Weg nach unten in die Neustadt – die Preise dort sind zwar happig, aber man sitzt endlich wieder im Schatten.
Fotografie: Rgg 1977, via Wikimedia Commons
