Wenn man die kurvige, teils recht steile Straße in Richtung Küste hinunterfährt, spürt man sofort, wie der Puls der Insel sich verlangsamt. Die Cala Vadella hat wenig mit den wummernden Bässen von San Antonio zu tun. Ich komme am liebsten im Juni oder im späten September hierher, wenn die kleine Siedlung noch nicht aus allen Nähten platzt. Es ist kein unentdeckter Ort – wer im August mittags anreist, kennt den harten Kampf um die Parkplätze –, aber die Atmosphäre bleibt selbst im Hochsommer erstaunlich unaufgeregt und familiär.
Flaches Wasser und schattige Kiefern
Die Bucht schneidet sich tief ins Land ein, was sie extrem gut vor Wind und Wellen schützt. An Tagen, an denen sich an anderen Küstenabschnitten die Schaumkronen brechen, ist das Wasser hier oft so spiegelglatt wie in einem See. Wer mit kleinen Kindern unterwegs ist, wird den sanft abfallenden Sandstrand schätzen. Man kann gut und gerne zwanzig Meter hineinlaufen, bevor das Wasser überhaupt bis zur Hüfte reicht. Der Sand ist fein, heizt sich im Juli und August allerdings so stark auf, dass der Sprint vom Handtuch ins Wasser ohne Badeschuhe schmerzhaft wird. Im hinteren Teil des Strandes spenden ein paar alte Kiefern echten Schatten – wer vormittags früh genug da ist, breitet sein Handtuch hier aus und spart sich die rund 20 Euro für Schirm und Liege.
Kajaks, Tretboote und felsige Ränder
Die Bucht ist zu schade, um nur auf dem Handtuch zu liegen. Die lokale Verleihstation direkt am Strand bietet das übliche Repertoire, um aufs Wasser zu kommen:
- Tretboote und SUPs: Ein Tretboot mit Rutsche (der absolute Hit für Kinder) kostet meist um die 20 bis 25 Euro pro Stunde. Mit dem Stand-Up-Paddle lohnt es sich, ganz früh morgens rauszufahren, wenn das Meer noch komplett ruhig liegt.
- Schnorcheln: In der Mitte der Bucht gibt es über dem sandigen Boden wenig zu sehen. Schnappen Sie sich die Taucherbrille und schwimmen Sie an den rechten oder linken felsigen Rand. Dort zwischen den Steinen und dem Seegras tummeln sich fast immer kleine Schwärme von Mönchsfischen und Brassen.
- Klippenwege: Rechts und links der Bucht führen unbefestigte, ausgetretene Pfade die Klippen hinauf. Ziehen Sie dafür feste Schuhe an, der Schotter ist in Badelatschen extrem rutschig. Der kurze Aufstieg lohnt sich: Man schaut von oben direkt auf die vor Anker liegenden Segelboote hinab.
Paella im Sand und ein teurer Geldautomat
Entlang der Promenade reihen sich mehrere Restaurants und Chiringuitos aneinander. Erwarten Sie keine überkandidelte Haute Cuisine, sondern solide ibizenkische Strandküche. In Lokalen wie dem Maria Luisa sitzt man fantastisch, die Paella (rechnen Sie mit 22 bis 28 Euro pro Person) kommt heiß in der Pfanne auf den Tisch, und man kann die Füße tatsächlich in den Sand graben.
Ein wichtiger Tipp aus eigener Erfahrung: Bringen Sie ausreichend Bargeld aus Ibiza-Stadt oder Sant Josep mit. Es gibt in der kleinen Siedlung zwar einen Geldautomaten neben dem Supermarkt, aber der berechnet unverschämte Gebühren von teilweise fast 5 Euro pro Abhebung. Wenn abends gegen 20:30 Uhr die Sonne direkt vorn im Meer versinkt, füllen sich die Terrassen rasend schnell. Reservieren Sie in der Hauptsaison am besten schon mittags einen Tisch, wenn Sie das Spektakel beim Essen beobachten wollen.
Parken, Busse und Apothekenpreise
Die Cala Vadella liegt rund 25 Autominuten von San Antonio und etwa eine halbe Stunde von Ibiza-Stadt entfernt. Direkt hinter dem Strand liegt ein recht großer unbefestigter Parkplatz. Er kostet ein paar Euro für den Tag, ist im Hochsommer aber oft schon um 11 Uhr vormittags restlos überfüllt. Danach beginnt das wilde Parken an den steilen Zufahrtsstraßen, was den Rückweg am späten Nachmittag zu einer schweißtreibenden Angelegenheit macht.
Wer ohne Mietwagen reist, kann den saisonalen Bus nutzen, der die Bucht mit den umliegenden Orten verbindet. Prüfen Sie die Fahrpläne unbedingt vor Ort (und bringen Sie Geduld mit). Wenn der Bus im August schon in den vorherigen Orten voll geworden ist, fährt der Fahrer an der Haltestelle manchmal einfach vorbei.
Ansonsten bietet die kleine Feriensiedlung rund um die Bucht alles für einen längeren Aufenthalt, inklusive einiger ruhiger Apartmentanlagen und Hotels. In den örtlichen Minimärkten bekommen Sie von Luftmatratzen bis hin zu Souvenirs alles Nötige. Wundern Sie sich nur nicht über den Strandaufschlag – die vergessene Sonnencreme kostet hier schnell mal das Doppelte von dem, was Sie zu Hause im Drogeriemarkt bezahlt hätten.
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Fotografie: sven.h, via Wikimedia Commons
