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Cala Xarraca: Ibizas rauer Norden abseits der Beachclubs

Wenn man die Straße C-733 in Richtung Port de Sant Miquel hinauffährt, lässt man die dröhnenden Bässe und durchgestylten Promenaden des Südens schnell hinter sich. Der Norden Ibizas riecht nach trockenem Pinienholz und staubiger Erde. Die Cala Xarraca ist keine Bucht, über die man zufällig stolpert. Man muss die scharfe Abzweigung erwischen und sich die schmale, steile Straße hinuntertrauen. Unten wartet kein Beachclub mit überteuerten Liegen, sondern eine raue, sichelförmige Bucht, in der das Mittelmeer sanft gegen rötliche Felsen schwappt.

Rote Felsen, Kieselsteine und ruinierte Badekleidung

Der Strand selbst ist eine Mischung aus grobem Sand und runden, ziemlich gnadenlosen Kieselsteinen. Wer hier ohne Badeschuhe ins Wasser stakst, liefert den Einheimischen unfreiwillig eine kleine Slapstick-Einlage. Haben Sie das steinige Ufer aber erst einmal überwunden, stehen Sie in unfassbar klarem Wasser. Packen Sie unbedingt die Taucherbrille ein. Wenn Sie am östlichen Rand der Bucht an den Klippen entlangschnorcheln, schwimmen Sie durch dichte Fischschwärme, und mit etwas Geduld entdecken Sie vielleicht einen Oktopus in den Felsspalten.

Dann gibt es da noch die natürlichen Schlammbäder auf der linken Seite der Bucht. Die sogenannten Fangos bestehen aus tonhaltiger Erde, die man einfach mit etwas Meerwasser anmischt. An manchen Tagen läuft die halbe Bucht mit graubraun eingekrusteten Gesichtern und Schultern herum. Es kühlt wunderbar, und die Haut fühlt sich danach tatsächlich weicher an. Ein gut gemeinter Rat aus eigener Erfahrung: Tragen Sie dafür auf keinen Fall Ihren teuersten weißen Bikini. Der rötliche Schlamm lässt sich aus hellen Stoffen nur extrem schwer wieder herauswaschen.

Fischpfanne statt Fine-Dining: Das Restaurant Cala Xarraca

Direkt über dem Strand klebt das gleichnamige Restaurant Cala Xarraca am Hang. Vergessen Sie minimalistisches Design; hier dominieren Plastikstühle, rote Tischdecken und lauter, rustikaler Charme. Dafür bietet die Terrasse den besten Blick auf das smaragdgrüne Wasser unten in der Bucht.

Bestellen Sie den Bullit de Peix, den traditionellen ibizenkischen Fischertopf. Das ist ein wuchtiges Zwei-Gänge-Mittagessen, bei dem zuerst lokaler Felsenfisch in einer Safran-Knoblauch-Brühe serviert wird, gefolgt von einer flachen Pfanne Arroz a Banda (Reis, der in der Fischbrühe gekocht wurde). Rechnen Sie für ein vernünftiges Mittagessen mit Wein mit etwa 35 bis 45 Euro pro Person. Wenn Sie an einem Sonntag im Juli oder August hier essen wollen, müssen Sie Tage im Voraus reservieren. Ansonsten stehen Sie in der prallen Sonne und warten vergebens auf einen Tisch.

Harte Fakten für den Ausflug

  • Anfahrt & Parken: Ein Mietwagen (oder ein Roller mit guten Bremsen) ist für die Anreise Pflicht. Der unbefestigte Parkplatz direkt an der Bucht ist winzig. Ein Parkeinweiser zwängt die Autos oft im Millimeter-Abstand aneinander – legen Sie dafür am besten 5 Euro in bar bereit. Wer im Hochsommer nach 11 Uhr vormittags ankommt, parkt meist irgendwo abenteuerlich am Rand der Steilküste.
  • Die richtige Ausrüstung: Ich kann es nicht oft genug betonen: Nehmen Sie Aquashoes mit. Da die natürliche Bucht weitgehend unorganisiert ist, gibt es keinen Kiosk für schnelles Wasser zwischendurch. Sie müssen Trinkwasser, Snacks und idealerweise einen eigenen Sonnenschirm selbst den Berg hinuntertragen.
  • Timing: Vergessen Sie den August, wenn Sie absolute Stille suchen. Dann ist auch die Cala Xarraca bis auf den letzten Kieselstein belegt und die familiäre Atmosphäre weicht dem Hochsommer-Chaos. Ende Mai, Juni oder Mitte September ist das Wasser warm genug zum Schwimmen, aber man findet problemlos Platz für sein Handtuch.
  • Küstenpfade: Wenn Sie dem steinigen Trampelpfad vor dem Parkplatz weiter der Küste entlang folgen, gelangen Sie zu winzigen Felsplateaus. Dort liegen Sie zwar hart, haben aber oft einen privaten Zugang zum Wasser ganz für sich allein.

Lohnt sich der Weg?

Die Cala Xarraca verlangt ein bisschen mehr Einsatz als die flachen, weichen Sandstrände im Süden der Insel. Sie müssen früh aufstehen, über Steine balancieren und Ihr Auto in eine staubige Lücke manövrieren. Aber wer auf Handtuch-Service verzichten kann und lieber stundenlang im klaren Wasser nach Fischen taucht, findet hier das pragmatische, raue Ibiza, von dem viele behaupten, es existiere schon lange nicht mehr.

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Fotografie: MrMatt1, via Wikimedia Commons