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Cala Sant Vicent: Der ruhige Norden Ibizas abseits der Clubs

Cala Sant Vicent: Der ruhige Norden Ibizas abseits der Clubs

Die Fahrt über die kurvige PM-811 durch das hügelige Hinterland von Sant Joan lässt einen fast vergessen, dass man auf Ibiza ist. Kein Bass, keine überdimensionalen Club-Plakate am Straßenrand. Wenn sich nach der letzten Abfahrt plötzlich der Blick auf die Cala Sant Vicent öffnet, wird schnell klar, warum dieser Flecken im äußersten Nordosten so viele Stammgäste hat. Die steilen, dicht mit Pinien bewachsenen Hänge schirmen die Bucht fast vollständig ab – ein willkommenes Kontrastprogramm zum lauten Süden der Insel.

Der Strand: Sand, feiner Kies und 30 Meter Flachwasser

Der breite Streifen ist eine Mischung aus weichem, hellem Sand und kleinen Kieseln, die sich vor allem direkt an der Wasserkante sammeln. Genau dieser Kies sorgt dafür, dass das Wasser hier selbst an windigen Tagen im August glasklar bleibt und nicht eintrübt. Man kann gut 30 Meter ins Meer laufen, bevor das Wasser überhaupt bis zur Brust reicht. Kein Wunder also, dass im Sommer viele Familien hier ihre Lager aufschlagen.

Die Infrastruktur an der palmengesäumten Promenade dahinter ist solide und auf einen entspannten Tag ausgelegt. Zwei Sonnenliegen samt Schirm kosten in der Hochsaison knapp 25 Euro. Ein praktischer Hinweis: Bringen Sie am besten genug Bargeld mit. Der freistehende Geldautomat an der Promenade berechnet gern eine völlig überzogene Gebühr von knapp 4 Euro pro Abhebung, unabhängig von Ihrer Hausbank. Wer großen Hunger mitbringt, findet entlang der Promenade mehrere gute, wenn auch preislich gehobene Restaurants. Für den schnellen Snack zwischendurch reichen die kleinen Strandkioske völlig aus.

Spaziergänge an der Klippe

Wem das reine Liegen auf dem Handtuch nach ein paar Stunden zu eintönig wird, der kann dem schmalen Pfad an der linken (nördlichen) Felswand folgen. Nach etwa zehn Minuten Fußweg über staubigen roten Boden und durch den Pinienwald stehen Sie hoch über dem Wasser. Der Ausblick auf das offene Mittelmeer und die zerklüftete Küstenlinie lohnt den kurzen Anstieg allemal.

Die Höhle von Es Culleram: Zu Besuch bei der Schutzgöttin

Ein paar Kilometer landeinwärts liegt die phönizische Höhle Es Culleram. Vor über 2000 Jahren haben die Menschen hier der Göttin Tanit ihre Opfergaben gebracht. Die Anlage kostet keinen Eintritt, aber der Weg dorthin hat seine Tücken.

  • Die Anfahrt: Fahren Sie mit dem Mietwagen über die Straße in Richtung Sant Joan bis zum offiziellen kleinen Parkplatz im Wald. Von dort ist es nur ein kurzer, wenn auch etwas holpriger Fußweg zur Höhle.
  • Der Aufstieg von der Bucht: Tun Sie sich selbst einen Gefallen und verzichten Sie im Juli oder August auf den direkten Aufstieg vom Strand. Das ist kein gemütlicher Spaziergang, sondern eine steile Kraxelei ohne echten Schatten. Bei 33 Grad im Hochsommer fluchen Sie spätestens nach einem Drittel der Strecke, wenn das Trinkwasser knapp wird.
  • In der Höhle: Die Anlage ist unbeleuchtet, und der Steinboden ist uneben und teilweise rutschig. Flip-Flops sind hier eine schlechte Idee. Feste Turnschuhe und die Taschenlampe des Smartphones reichen aber aus, um gefahrlos in das kühle Dunkel der Haupthalle hinabzusteigen.

Praktische Details für die Planung

Anreise und Parken: Von Ibiza-Stadt brauchen Sie mit dem Auto etwa 40 Minuten, von Santa Eulària sind es gut 20 Minuten. Direkt hinter dem Strand gibt es einen langgezogenen Parkplatz. Das ist theoretisch sehr bequem, aber in der Praxis – besonders Mitte August – ab 11 Uhr vormittags restlos belegt. Wer später kommt, muss sein Auto kreativ an der unübersichtlichen Zufahrtsstraße abstellen und ein gutes Stück in der Sonne laufen.

Die richtige Zeit: Im Juli und August ist der Sandstrand dicht mit Handtüchern gepflastert. Wenn Sie es sich zeitlich aussuchen können, kommen Sie im späten Mai, Juni oder in der zweiten Septemberhälfte. Dann misst das Mittelmeer noch oder schon herrliche 23 bis 24 Grad, aber man hat beim Schwimmen deutlich mehr Platz.

Übernachten und Einkaufen: Die Bucht wird von ein paar größeren Hotelkomplexen dominiert. Wer sich hier einbucht, sucht keine durchfeierten Nächte, sondern kurze Wege vom Frühstücksbuffet direkt in den Sand. Ein kleiner Tipp für Selbstversorger in den umliegenden Apartments: Kaufen Sie Ihre Vorräte in den größeren Supermärkten in Santa Eulària oder auf dem Weg dorthin. Die winzigen „Supermercados“ direkt an der Bucht wissen um ihr Monopol und verlangen für Sonnencreme, Wasser und Snacks entsprechende Apothekenpreise.

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Fotografie: Sobrassada, via Wikimedia Commons