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Cala Mastella auf Ibiza: Felsige Pfade, frischer Fisch im El Bigote und warum sich die Anreise lohnt

Wer im Juli oder August nach Ibiza kommt, fragt sich schnell, wo eigentlich noch Platz ist. Die Antwort liegt im Nordosten, ein paar Kilometer hinter Sant Carles. Die Cala Mastella. Kein glattgezogener Sandstrand aus dem Katalog, sondern eine raue, von Kiefernnadeln übersäte Bucht mit Charakter. Ich war das erste Mal vor ein paar Jahren im späten September hier, als das Wasser noch 25 Grad hatte, aber die großen Sommer-Massen schon wieder in den Fliegern saßen.

Die Anfahrt und der steinige Weg ins Wasser

Die Fahrt von Santa Eulària zieht sich über die Landstraße hoch in den Norden. Hinter Sant Carles wird es spürbar schmaler. Der letzte Kilometer hinunter zur Küste ist ein staubiger, teils einspuriger Weg, der an einem winzigen Schotterparkplatz an der Klippe endet. Wer hier im Hochsommer nach 11 Uhr vormittags ankommt, parkt meist irgendwo halb im Graben – kleine Kratzer am Mietwagen durch die extrem trockenen, dornigen Büsche am Straßenrand inklusive.

Vom Auto aus stolpert man einen kurzen, ziemlich ausgewaschenen Pfad hinunter ans Wasser. Vergesst Flip-Flops. Das hier ist Terrain für feste Sohlen. Unten angekommen, steht man nicht auf feinem Puderzucker, sondern auf Kies, getrocknetem Seegras und Felsen. Wenn man erst mal über die glitschigen Steine in die Bucht gewatet ist, öffnet sich ein extrem klares, relativ flaches Becken. Schnorcheln lohnt sich hier wirklich, vor allem an den Rändern der Felswände, wo sich immer wieder kleine Fischschwärme sammeln.

Mittags im El Bigote: Bargeld, Geduld und Bullit de Peix

Wenn wir ehrlich sind, kommen viele Leute gar nicht unbedingt wegen des Strandes zur Cala Mastella. Sie kommen wegen El Bigote. Diese kleine, windschiefe Holzhütte direkt auf den Felsen am östlichen Rand der Bucht sieht aus wie ein improvisierter Bootsschuppen, in dem gleich Netze geflickt werden.

Es gibt keine Speisekarte. Die Familie serviert mittags genau das, was sie morgens aus dem Wasser gezogen hat. Fast immer läuft es auf das traditionelle Bullit de Peix hinaus – ein deftiger, orangefarbener Fischeintopf mit Kartoffeln, gefolgt von einer Reis-Pfanne, die direkt in der kräftigen, übriggebliebenen Fischbrühe gekocht wird. Dazu ein kühles Cerveza oder Landwein aus simplen Gläsern.

Das große Aber: Spontan essen gehen funktioniert hier nicht. Wer einfach zur Mittagszeit reinspaziert, wird weggeschickt, egal wie hungrig er aussieht. Die Reservierung läuft offiziell über eine Festnetznummer, aber sehr oft geht stundenlang niemand ran. Am besten fahrt ihr ein oder zwei Tage vorher ohnehin in die Gegend, lauft zum Restaurant hinunter und tragt euch persönlich bei der Crew in das speckige Notizbuch ein.

Aktuelle Informationen & praktische Tipps

  • Anreise: Ein eigener Mietwagen ist Pflicht. Das Taxi bringt euch zwar für etwa 20 bis 30 Euro von Santa Eulària hin, aber für den Rückweg aus der Bucht ein Taxi zu rufen, ist oft ein reines Glücksspiel. Der Handyempfang unten in der Bucht ist extrem unzuverlässig bis nicht vorhanden.
  • Ausrüstung: Kauft euch vorher Neopren-Badeschuhe (gibt es in fast jedem Supermarkt auf der Insel für rund 10 Euro). Eure Füße werden es euch beim Gang ins Wasser danken. Bringt außerdem einen eigenen Sonnenschirm mit. Die umliegenden Pinien werfen erst am späten Nachmittag Schatten auf den Kies.
  • Restaurant El Bigote: Telefonnummer für Versuche ist +34 971 33 50 16. Rechnet mit etwa 35 bis 40 Euro pro Person für das Menü. Wichtig: Kartenzahlung ist absolut unmöglich. Es gibt weit und breit keinen Geldautomaten, der nächste steht erst wieder in Sant Carles. Bringt also genug Bargeld mit.
  • Beste Zeit: Mitte Mai oder ab Mitte September. Wer im Juli oder August kommt, sollte spätestens um 9:30 Uhr auf dem Parkplatz stehen, sonst wird es mit dem Auto ein reines Nervenspiel.

Ein ehrliches Fazit

Die Cala Mastella ist ungeschliffen und hat ihre Eigenheiten. Wer den durchgestylten Beach-Club mit gepolsterten Bali-Betten und Cocktailservice direkt an die Liege sucht, wird hier nach zehn Minuten wieder umdrehen. Wer aber mit ein paar Steinen unter dem Handtuch leben kann und mittags einen authentischen ibizenkischen Fischeintopf aus dem verbeulten Eisentopf löffeln will, der sollte sich diese Bucht auf der Karte markieren.

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