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Cala Gració und Cala Gracioneta: Zwei Buchten am Rand von San Antonio im Realitätscheck

Wenn man im Juli durch die Straßen von Sant Antoni de Portmany läuft, dröhnen aus vielen Bars die Bässe und die Hitze steht spürbar zwischen den Betonbauten. Doch keine 20 Gehminuten nördlich vom Hafen ändert sich die Welt. Wer den staubigen Carrer de Cala Gració hinunterläuft, landet bei zwei Buchten, die man so nah am Trubel kaum vermuten würde: Cala Gració (auf alten Schildern oft noch Grassio geschrieben) und ihre winzige Nachbarin Cala Gracioneta. Ich verbringe hier oft meine Nachmittage, wenn mir die großen Vorzeigestrände im Süden der Insel schlichtweg zu anstrengend werden.

Zwei Buchten, zwei Preisklassen

Cala Gració ist die Hauptbucht. Der Sand ist hier etwas grobkörniger, das Wasser fällt extrem flach ab. Am Rand steht ein unprätentiöses spanisches Strandlokal, das noch bezahlbare Bocadillos für etwa 6 Euro und eiskaltes Estrella-Bier über den Tresen reicht. Hier gibt es einen Rettungsschwimmer-Turm und Liegen, die für aktuelle Ibiza-Verhältnisse mit rund 20 Euro pro Tag noch im Rahmen liegen.

Dann gibt es den kleinen Trampelpfad über die rostbraunen Felsen auf der rechten Seite. Ein dreiminütiger Balanceakt, und schon steht man in der Cala Gracioneta. Die Bucht gleicht einem Trichter aus Pinienbäumen. Der Haken, den viele Reiseführer verschweigen: Sie wird fast komplett vom gleichnamigen, sehr schicken Chiringuito eingenommen. Die Meeresfrüchte dort sind exzellent, aber mit gut 40 Euro für ein Hauptgericht auch eine echte Ansage. Wer sich hier einfach nur auf sein eigenes Handtuch legen will, muss verdammt früh aufstehen. Der freie Sandstreifen vorn am Wasser misst kaum zehn Meter in der Breite.

Tretboote und Halbschatten

In der großen Gració-Bucht dominieren Familien und Leute, die einfach in Ruhe baden wollen. Das Wasser ist fast immer spiegelglatt, da die Bucht tief in die Felsen einschneidet. Für 15 Euro die Stunde kann man sich ein Tretboot mieten – die klassischen Modelle mit der kleinen blauen Plastikrutsche, die beim Raufklettern immer ein bisschen wackeln. Schnorcheln lohnt sich vor allem direkt an den schroffen Felswänden zwischen den beiden Buchten; in der sandigen Mitte gibt es außer ein paar Algenbüscheln wenig zu sehen.

In Cala Gracioneta passiert dagegen erfreulich wenig. Man liegt im Halbschatten der Pinien, liest, und versucht, den flinken Kellnern des Restaurants nicht im Weg zu liegen.

Praktische Realität vor Ort

  • Anfahrt: Vergessen Sie den Mietwagen im August. Der unbefestigte Sandparkplatz zwischen den Buchten ist klein, extrem staubig und ab 10:30 Uhr gnadenlos überfüllt. Gehen Sie lieber zu Fuß aus San Antonio oder nehmen Sie den kleinen L9-Bus, der allerdings an heißen Tagen gern mal 15 Minuten Verspätung hat.
  • Infrastruktur: Die Hauptbucht hat öffentliche, meist saubere Toiletten. Achtung: Der einzige Geldautomat oben an der Straße (beim Hotel Fiesta) schlägt oft unverschämte 4,50 Euro Gebühr auf. Nehmen Sie unbedingt ausreichend Bargeld für den Kiosk mit.
  • Wasserqualität: Da die Hafeneinfahrt von San Antonio direkt um die Ecke liegt, hörte man früher oft Schauermärchen über trübes Wasser. Das ist Geschichte. Die Strömung hat sich durch bauliche Veränderungen verbessert, das Wasser ist heute erstaunlich klar – es sei denn, ein starker Westwind drückt abends loses Seegras in die Bucht.
  • Die beste Zeit: Mai, Juni oder Ende September. Im Hochsommer ist es nur vor 10 Uhr morgens wirklich entspannt. Abends ab 18 Uhr leeren sich die Handtuchreihen zwar wieder, allerdings verschwindet die Sonne hier durch die Ausrichtung und die hohen Pinien recht früh.

Fähren schauen statt Sunset-Partys

Die Massen pilgern nach San Antonio für den Sonnenuntergang am Sunset Strip. Ich ziehe den späten Nachmittag in der Cala Gració vor. Wenn man sich auf die flachen Steine auf der linken Seite der Bucht setzt, hat man freie Sicht auf das offene Meer. Man kann stundenlang zusehen, wie die massiven Balearia-Fähren vom spanischen Festland langsam um die Landzunge navigieren. Es brummt tief in der Ferne, die aufgewärmten Piniennadeln riechen intensiv nach Harz, und fünf Minuten später schwappt die Heckwelle der Fähre sanft an den Strand. Kein DJ, keine VIP-Bereiche, nur warmes Wasser und Felsen unter den Füßen.

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