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Playa d’en Bossa: Ibiza pur zwischen Club-Beats, Flugzeuglärm und 30-Euro-Liegen

Ein Flugzeug im Landeanflug donnert gefühlt zehn Meter über die Köpfe hinweg. Das Gespräch stoppt für fünf Sekunden, niemand zuckt mehr zusammen, man nimmt einfach den nächsten Schluck vom eiskalten Getränk. Willkommen an der Playa d’en Bossa. Mit knapp drei Kilometern ist das hier der längste zusammenhängende Sandstrand Ibizas. Wer hier sein Handtuch ausrollt, weiß genau, worauf er sich einlässt: Es riecht nach teurem Sonnenöl, das Wasser schimmert überraschend klar, und aus der Ferne wummert oft schon am frühen Nachmittag der Bass.

Der Kontrast: Zwischen VIP-Area und Familienstrand

Der Ruf der Playa d’en Bossa ist laut, bunt und teuer. Entlang der Carrer de Platja d’en Bossa reihen sich die Giganten der Clubszene aneinander. Das Ushuaïa und das direkt gegenüberliegende Hï Ibiza ziehen im Juli und August täglich Tausende an. Tagsüber verteilen Promoter am nördlichen Strandabschnitt unermüdlich Flyer für die anstehenden Partys. Spätestens nach der fünften Frage nach der „Guestlist for tonight, my friend?“ kann das etwas anstrengend werden.

Aber der Strand hat eine gespaltene Persönlichkeit, die in Hochglanz-Katalogen oft verschwiegen wird. Wenn man dem Trubel entkommen will, muss man nur Richtung Süden spazieren, dorthin, wo am Ende der Bucht der alte Wachturm Torre de sa Sal Rossa auf den Klippen steht. Je weiter man die Küste hinunterläuft, desto leiser wird der Bass und desto seichter wird das Wasser. Im hinteren Drittel baden Familien, Paare lesen in Ruhe, man hört das Rauschen der Wellen statt Tech-House, und der feine Sand zeigt, warum diese Bucht eigentlich so beliebt ist.

Wasser, Stege und startende Flieger

Die klassische Bananenboot-Fraktion kommt hier genauso auf ihre Kosten wie Stand-Up-Paddler, die morgens über das spiegelglatte Wasser gleiten. Ein echter Fixpunkt ist der lange Holzsteg, der ziemlich mittig ins Meer ragt. Von dort aus sieht man die gesamte geschwungene Küstenlinie bis hinauf zur Altstadt von Ibiza-Stadt (Dalt Vila). Die Flieger, die im Sommer oft im Minutentakt den nahen Flughafen ansteuern, sind auf Dauer ohrenbetäubend. Man muss das mögen – oder zumindest tolerieren –, denn der Flugzeugdonner gehört fest zur DNA dieses Küstenabschnitts.

Zwischen Spar-Markt und Luxus-Sushi

Essen an der Playa d’en Bossa ist extrem zweigeteilt. Wer hungrig direkt in einen der edlen Beach Clubs stolpert, zahlt für einen mittelmäßigen Burger mit Trüffelpommes schnell 35 Euro. Das Pint herbes Bier schlägt gerne mal mit 12 Euro zu Buche. Die Alternative für den normalen Geldbeutel? Einfach die Strandpromenade verlassen und zur Hauptstraße vorgehen. Im lokalen Supermarkt decken sich clevere Strandgänger mit kalten Dosen-Cervezas, Wasser und Snacks ein. Dazwischen gibt es immer noch ein paar einfache Chiringuitos, in denen man auf Plastikstühlen im Sand sitzt und ehrliche, frittierte Calamari für 15 Euro bekommt.

Nackte Fakten für den Strandtag

  • Anreise & Nervfaktor: Vom Flughafen braucht das Taxi keine zehn Minuten (Kostenpunkt etwa 15 bis 18 Euro). Ein nerviges Detail, das man wissen sollte: Die freistehenden gelb-blauen Geldautomaten an der Hauptstraße verlangen unverschämte Gebühren von bis zu 5 Euro pro Abhebung. Besorgen Sie sich lieber vorher Bargeld oder zahlen Sie gleich alles mit Karte.
  • Beste Zeit: Juli und August sind ein schweißtreibender, teurer Ausnahmezustand. Die Insel zeigt sich im späten Mai, Juni oder in der zweiten Septemberhälfte von ihrer besten Seite. Das Meer ist im September herrlich aufgewärmt, und man bekommt mittags problemlos einen Liegestuhl.
  • Kosten für Liegen: Wer nicht sein eigenes Handtuch in den Sand wirft, muss zahlen. Die offiziellen, einfachen blauen Gemeindeliegen kosten meist um die 10 Euro pro Stück plus 10 Euro für den Schirm – man ist also mit 30 Euro für zwei Personen dabei. In den privaten Beach Clubs geht es bei 50 Euro los und endet im vierstelligen Bereich für große VIP-Betten mit Mindestverzehr.
  • Übernachtung: Entlang der Bucht gibt es alles vom extrem lauten Party-Hotel bis zum 5-Sterne-Resort. Wer nachts bei offenem Fenster schlafen will, bucht sich zwingend am südlichen Ende ein. Der Rückweg von den Clubs ist dann zwar ein 20-minütiger Spaziergang am dunklen Strand, aber dafür vibrieren nachts nicht die Fensterscheiben.

Letztlich polarisiert dieser Küstenabschnitt. Wer absolute Stille, einsame Buchten und unberührte Kiefernwälder sucht, sollte sich einen Mietwagen nehmen und in den Norden der Insel flüchten. Wer aber Lust hat auf Menschenbeobachtung der Extraklasse, eiskaltes Bier im warmen Sand und den ultimativen Soundtrack des ibizenkischen Sommers, der wird genau hier immer wieder sein Handtuch ausbreiten.

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Fotografie: David Sim from London, United Kingdom, via Wikimedia Commons