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Es Cubells: Wo Ibiza felsig, steil und herrlich ruhig ist

Wer auf Ibiza nach kilometerlangem Puderzuckersand sucht, dreht in Es Cubells meist am Dorfplatz direkt wieder um. Gut so. Die kleine Bucht im Süden der Insel ist nämlich alles andere als ein bequemer Badestrand. Es ist ein steiniger, von schroffen Felsen eingerahmter Küstenstreifen, an dem einem weder Bässe aus Beach-Clubs noch fliegende Händler auf die Nerven gehen. Wenn ich im Juli oder August dem Wahnsinn in Playa d’en Bossa entfliehen will, fahre ich genau hierher.

Der Weg hinab und das klare Wasser

Das eigentliche Dorf Es Cubells besteht gefühlt nur aus drei Gebäuden, darunter die weiß getünchte Kirche Nostra Senyora del Carme, die dramatisch direkt an der Klippe steht. Von hier oben blickt man an klaren Tagen bis nach Formentera. Der Weg hinab ans Wasser ist nichts für schwache Nerven oder tiefergelegte Mietwagen. Die Straße ist extrem steil, kurvig und stellenweise so schmal, dass man bei jedem entgegenkommenden Lieferwagen unweigerlich die Luft anhält.

Unten angekommen, erwartet einen kein Sand, sondern Kies, größere Steine und oft auch ein paar Haufen getrocknetes Seegras. Genau das macht das Wasser hier so unglaublich klar – es gibt schlichtweg keinen Sanduntergrund, der durch Wellen aufgewirbelt werden könnte. Wenn Sie eine Taucherbrille einpacken, sehen Sie schon wenige Meter vom Ufer entfernt Brassen und kleine Felsenfische. Ohne dicke Badeschuhe aus Neopren macht der Einstieg allerdings keinen Spaß; wer barfuß über die rutschigen Felsen balanciert, holt sich schnell blaue Flecken.

Parkplatzkampf und echtes Inselflair

Die Atmosphäre unten am Wasser ist herrlich unaufgeregt. Man teilt sich den knappen Platz mit einheimischen Familien, die ihre eigenen Kühltaschen mitbringen, und Leuten aus den umliegenden Fincas. Der einzige Haken ist das Parken. Es gibt am Ende der Straße nur eine Handvoll regulärer Stellplätze. Wer im Hochsommer nach 10:30 Uhr ankommt, parkt seinen Wagen oft notgedrungen halb im Graben der steilen Zufahrtsstraße. Kratzer an der Stoßstange durch Dornenbüsche inklusive. Mein Tipp: Kommen Sie früh morgens oder erst am späten Nachmittag.

Cortado, Felsenkante und frischer Fisch

Mein Standardprogramm für Es Cubells beginnt oben im Dorf. In der kleinen Bar in der Nähe der Kirche kostet der Cortado entspannte 1,80 Euro. Man sitzt auf einfachen Stühlen, schaut über die Klippenkante und weicht ab und zu einem entspannten Straßenhund aus, bevor es runter an den Strand geht.

Wer mittags Hunger bekommt, muss die Bucht nicht verlassen. Das Restaurant Es Cubells serviert direkt am Wasser grundsolide ibizenkische Küche. Erwarten Sie kein Fine Dining mit weißen Tischdecken. Hier gibt es stattdessen hervorragende Dorada al horno (gebackene Goldbrasse) für rund 25 Euro, eiskaltes Bier und einen unverbauten Blick auf das Meer. Reservieren Sie unbedingt ein paar Stunden vorher im Vorbeigehen einen Tisch – spontan bekommt man in der Hauptsaison selten einen Platz auf der Holzterrasse.

Was Sie vor dem Ausflug wissen sollten

  • Das richtige Schuhwerk: Lassen Sie die Flip-Flops im Auto. Für die Felsen brauchen Sie feste Badeschuhe. Packen Sie außerdem ein dickeres Handtuch oder eine faltbare Isomatte ein – auf groben Steinen liegt es sich sonst nach zehn Minuten extrem unbequem.
  • Geldautomaten-Warnung: Heben Sie Bargeld lieber vorher im benachbarten Sant Josep ab. Der freistehende Bankautomat oben im Dorf Es Cubells verlangt oft absurde Gebühren von fast 4 Euro pro Abhebung, egal welche Karte Sie nutzen.
  • Das beste Licht: Morgens ist das Wasser meist spiegelglatt und perfekt zum Schwimmen. Abends taucht die tiefstehende Sonne die steilen Felswände in ein intensives Rot-Orange.
  • Kombinationen: Wenn Ihnen das Liegen auf den Steinen zu viel wird, sind Sie mit dem Auto in knapp 15 Minuten in den Salinen von Ses Salines oder zurück im trubeligeren Sant Josep.

Promi-Gerüchte zwischen Pinien

Wenn Sie beim Rückenschwimmen auf die dicht bewaldeten Hänge blicken, sehen Sie immer wieder Terrakotta-Dächer durchs Grün blitzen. Die Gegend um Es Cubells ist teuer. Richtig teuer. Unter den Einheimischen hält sich seit Jahren hartnäckig das Gerücht, dass die französische Filmlegende Jean-Paul Belmondo hier einst eine dieser massiven Villen besaß, um sich vor Fotografen zu verstecken. Ob das stimmt, weiß auf der Insel niemand so genau. Aber es passt zum Charakter der Bucht: Wer den Weg hierher auf sich nimmt, will einfach in Ruhe gelassen werden.

Wer Action, Musik und Strandliegen sucht, wird Es Cubells hassen. Wer aber das Gefühl liebt, nach einem heißen Tag das Salz auf der Haut trocknen zu lassen, während nur ein paar Möwen und das Klatschen der Wellen zu hören sind, ist hier genau richtig.

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Fotografie: Ladislaus Hoffner, via Wikimedia Commons