Wer im Hochsommer von Sant Miquel aus die kurvige Straße hinunter in die Gemeinde Sant Joan fährt, riecht durch das offene Autofenster den intensiven Duft heißer Piniennadeln. Die Cala Benirrás im Norden Ibizas hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wer hier heute völlig unberührte Einsamkeit erwartet, wird enttäuscht sein. Doch wenn man die Eigenheiten dieses Küstenabschnitts kennt, liefert die Bucht noch immer Momente, die lange im Gedächtnis bleiben.
Der Strand und der Felsen im Wasser
Der Sand in der Bucht ist nicht puderweich. Er ist eher grobkörnig und an der Wasserlinie stark mit Kieseln durchsetzt. Ein Paar Badeschuhe im Rucksack erspart dir den ungelenken Eiertanz ins Wasser. Einmal drin, belohnt dich das Meer an ruhigen Tagen im September mit einer Klarheit, die fast an einen Pool grenzt.
Draußen im Wasser thront die markante Felsformation Es Portal, die von den Einheimischen meist einfach nur Cap Bernat genannt wird. Wenn du nachmittags auf deinem Handtuch liegst, kannst du eigentlich immer jemanden beobachten, der von den seitlichen Klippen der Bucht springt. Meistens sind es Gruppen von Teenagern, die sich gegenseitig anstacheln und dann mit lautem Platschen im tiefen Blau landen, während die geankerten Segelboote sanft in der Dünung schaukeln.
Sonntagabend: Congas, Schweiß und Stau
Das berühmt-berüchtigte Highlight der Cala Benirrás ist der Sonntag. Vergiss die Vorstellung von einem stillen, einsamen Sonnenuntergang. Ab etwa 18 Uhr wird es hier voll. Richtig voll. Die Trommler packen ihre Congas, Djemben und Bongos aus, und was als leises, vereinzelntes Klopfen beginnt, schwillt bald zu einem massiven, hypnotischen Beat an, der von den Felswänden widerhallt.
Die Luft riecht nach einer wilden Mischung aus Sonnencreme, Meerwasser, Räucherstäbchen und kaltem Bier. Die Leute tanzen im Sand, manche völlig in Trance, während sich der Himmel langsam orange und purpur verfärbt. Besonders um die Vollmondnächte herum kocht die Stimmung fast über.
Der Haken an der Sache: Sobald die Sonne im Meer versunken ist, brechen alle gleichzeitig auf. Der Rückweg zur Hauptstraße wird dann zum zähen Stop-and-Go. Ich bleibe nach dem Trommeln meistens einfach noch eine Stunde auf meiner Decke sitzen und warte ab, bis sich das Chaos auf dem Parkplatz lichtet.
Bier, Paella und die Infrastruktur
Direkt am Strand steht das Elements Beach. Unter dem ausladenden Schilfdach sitzt man fantastisch und bekommt exzellente Fischgerichte serviert. Eine ordentliche Paella kostet hier allerdings schnell um die 50 Euro, und der Gin Tonic schlägt mit gut 15 Euro zu Buche. Ein Detail, das in Reiseführern gerne fehlt: Der Geldautomat im Restaurant verlangt saftige Abhebegebühren und fällt an heißen Sonntagen ohnehin regelmäßig aus. Ich habe mir angewöhnt, einfach direkt ausreichend Bargeld mitzubringen.
Die Realität vor Ort
- Die Anfahrt: Die Zufahrt ist mittlerweile gut ausgebaut, geht aber auf den letzten Metern in eine staubige Schotterpiste über. Ein normaler Mietwagen packt das problemlos, man muss im Sommer nur den ausgefahrenen Schlaglöchern ausweichen.
- Parken: Es gibt mehrere unbefestigte Parkplätze direkt hinter dem Strand. Die Einweiser verlangen meist zwischen 5 und 7 Euro für ein Tagesticket. An Sonntagen im Juli und August sind diese Plätze oft schon am frühen Nachmittag restlos dicht. Wenn die Polizei die Zufahrtsstraße wegen Überfüllung sperrt, musst du auf Shuttlebusse ausweichen.
- Ausstattung: Sonnenliegen und Schirme lassen sich mieten, rechne mit etwa 20 bis 25 Euro pro Liege. Einfache Toiletten und Süßwasserduschen sind vorhanden, wobei bei Letzteren am späten Nachmittag oft der Wasserdruck spürbar nachlässt.
Wenn du die Wahl hast und das Hippie-Flair der Bucht ohne die massiven Menschenmassen erleben willst, komm an einem späten Dienstagnachmittag im September. Auch dann sitzen meist ein paar Trommler am Wasser, das Bier aus der Kühlbox schmeckt genauso gut, und du findest problemlos einen Parkplatz im Schatten der Pinien.
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