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Jesús auf Ibiza: Wehrkirche, Tapas und das Leben abseits von Eivissa

Die Eglésia de Jesús: Dicke Mauern statt dicker Bässe

Wer im Juli ein paar Kilometer nördlich aus Ibiza-Stadt herausfährt, landet schnell in Jesús. Gleich im Zentrum steht die Eglésia de Jesús. Sie stammt aus dem späten 15. Jahrhundert, einer Zeit, als man auf Ibiza noch permanent den Horizont nach Piratensegeln absuchte. Das erklärt auch die Architektur: Der massive, weiß getünchte Glockenturm sieht eher aus wie der Wachturm einer Festung als ein klassisches Gotteshaus.

Im Inneren gibt es keinen überladenen barocken Prunk wie auf dem spanischen Festland. Stattdessen dominieren kühler Stein und eine fast schon karge Zweckmäßigkeit. Wenn das Thermometer draußen die 34-Grad-Marke knackt, ist die dunkle, kühle Stille zwischen diesen dicken, alten Mauern eine echte Erleichterung.

Kaffee trinken am Kirchplatz

Jesús ist kein aufpoliertes Freilichtmuseum, sondern ein funktionierendes, ganz normales Dorf. Die Gassen rund um die Kirche sind oft von Bougainvillea überwuchert, dazwischen stehen die typisch weißen Häuser mit ihren verwitterten blauen Fensterläden. Vor der Kirche liegt ein kleiner Platz, an dem sich nachmittags die Einheimischen treffen.

Ich setze mich hier gerne für einen Café con leche hin – der kostet in der kleinen Bar oft nur knapp 2 Euro. Man kann einfach dem Treiben zusehen, ohne den ständigen Verkehrslärm der Inselhauptstadt im Ohr zu haben. Eine kleine Warnung vorweg: Der freistehende Geldautomat an der Hauptstraße verlangt unfassbare 4,50 Euro Gebühr für Abhebungen mit ausländischen Karten. Nehmen Sie Ihr Bargeld für den Nachmittag also am besten direkt aus Eivissa mit.

Abendessen am Puerto de Jesús

Wenn der Magen knurrt, zieht es die meisten hinunter zum Puerto de Jesús. Am Hafenbecken riecht es nach Salzwasser, warmem Teer und gegrilltem Fisch. Die Restaurants hier wissen genau, was sie tun, rufen dafür aber auch entsprechende Preise auf. Ein Hauptgericht mit frischem Seeteufel oder Dorade kostet im August schnell mal zwischen 28 und 38 Euro.

Zwei Adressen tauchen in den Gesprächen der Inselbewohner immer wieder auf: Das Restaurant El Corsario liefert exzellente Meeresfrüchte direkt ans Wasser. Wer lieber ein ordentliches Stück Fleisch auf dem Teller hat, geht ins Can Pilot. Die Holzkohlegrills dort sind inselweit bekannt. Wenn Sie zwischen Juni und September hier essen wollen, rufen Sie unbedingt ein paar Tage vorher an. Wer spontan um 20:30 Uhr aufkreuzt, steht gut und gerne eine Stunde schwitzend in der Warteschlange.

Gut zu wissen: Anreise und Öffnungszeiten

Anreise: Von Ibiza-Stadt (Eivissa) aus sind Sie mit dem Auto in fünf Minuten hier. Die Parkplatzsuche in den engen Einbahnstraßen von Jesús erfordert allerdings starke Nerven; versuchen Sie es auf dem Schotterplatz hinter dem Supermarkt. Entspannter ist das Taxi, das je nach Verkehr rund 12 bis 15 Euro kostet. Die Buslinie L12 fährt zwar auch, aber der Fahrplan wird gerade in der Hochsaison gerne mal als grobe Richtlinie interpretiert.

Besuch der Kirche: Feste Öffnungszeiten gibt es kaum. Meistens ist die schwere Holztür am späten Nachmittag ab etwa 17:00 Uhr unverschlossen. Wenn Sie hineingehen, werfen Sie ein oder zwei Euro in den kleinen Spendenkasten neben dem Eingang – das gehört hier einfach dazu.

Beste Besuchszeit: Kommen Sie gegen 18:30 Uhr. Dann ist die ärgste Mittagshitze vorbei, Sie können entspannt das Dorf ablaufen und sitzen pünktlich zum Sonnenuntergang am Hafen.

Was von Jesús aus schnell erreichbar ist

  • Talamanca-Bucht: Keine fünf Autominuten entfernt. Das Wasser fällt hier extrem flach ab, was den Strand perfekt für Kinder macht. Achtung: Die Holzstege im Sand werden in der Mittagssonne kochend heiß, behalten Sie die Flip-Flops bis zum Handtuch besser an.
  • Ibiza-Stadt (Eivissa): Die historischen Festungsmauern von Dalt Vila sind von Jesús aus oft schon zu sehen und in wenigen Minuten erreicht.
  • Es Bosc Beach: Ein ruhigerer Kies- und Sandabschnitt. Die Zufahrtsstraße hat ein paar fiese Schlaglöcher, aber genau das hält glücklicherweise die großen Menschenmassen fern.