Winter auf Ibiza: Was man in dieser Saison tun und sehen kann Aktivitäten ansehen
Eivissa 31° · Mostly clear
Reise planen

Es Canar: Der Alltag neben dem Hippie-Markt an der Punta Arabí

Auf den meisten Straßenschildern steht „Es Canar“, auch wenn Reiseführer oft die traditionelle Schreibweise „Es Canyar“ nutzen. Wenn der Name fällt, haben fast alle Ibiza-Urlauber sofort dasselbe Bild im Kopf: Mittwochvormittag, Punta Arabí, Hippie-Markt. Ich habe oft genug auf der kleinen, notorisch verspäteten Personenfähre von Santa Eulària gesessen, um die Massen zu beobachten, die für ein paar Stunden einfallen. Die meisten kaufen ein Lederarmband, essen eine Kleinigkeit und verschwinden wieder. Aber wer länger in diesem Ferienort im Nordosten bleibt, erlebt einen erstaunlich unaufgeregten Alltag, weit weg vom Klischee der rastlosen Partyinsel.

Der Hippie-Markt an der Punta Arabí

Von April bis Oktober wird das Clubgelände an der Punta Arabí jeden Mittwoch komplett umgekrempelt. Mit über 500 Ständen unter schattigen Pinien ist es der älteste Markt der Insel. Natürlich mischt sich hier mittlerweile massenhaft importierte Ware unter das Angebot, aber wer genauer hinschaut, findet immer noch handgeschmiedete Silberringe, robuste Ledergürtel und diese typisch ibizenkischen, weißen Leinenhemden.

Die Luft riecht nach Räucherstäbchen und den frischen Crêpes vom großen Stand in der Mitte des Geländes, während irgendwo immer eine Akustikgitarre klimpert. Ein konkreter Rat: Seien Sie um Punkt 10 Uhr morgens da. Ab 13 Uhr staut sich im Juli und August die Hitze zwischen den Buden, und das Geschiebe der Menschenmassen zehrt massiv an den Nerven. Und ganz wichtig: Heben Sie vorher in Santa Eulària oder Eivissa Bargeld ab. Der freistehende Geldautomat direkt am Markteingang berechnet unverschämte 4,95 Euro Gebühr für jede Transaktion.

Die anderen sechs Tage der Woche

An den restlichen Wochentagen schaltet Es Canar mindestens drei Gänge runter. Der sichelförmige Strand Playa d’es Canar ist breit, der Sand hell und das Wasser fällt so flach ab, dass man gefühlt hundert Meter hineinlaufen kann, bevor man wirklich schwimmen muss. Das macht die Bucht ideal für Familien mit kleinen Kindern. Wundern Sie sich nicht über das trockene Seegras (Posidonia), das manchmal an den Rändern angespült wird – das ist ein Zeichen für hervorragende Wasserqualität und steht auf Ibiza unter strengem Naturschutz.

Wer nicht nur auf dem Handtuch liegen möchte, findet an der Hauptstraße Anbieter für Jeep-Safaris oder Quad-Touren ins nördliche Hinterland. Die Strandpromenade selbst ist gesäumt von Cafés und Restaurants. Erwarten Sie hier keine avantgardistische Sterneküche. Es ist die verlässliche, klassische Ferienmischung: ein solider Café con leche für rund 2,50 Euro am Vormittag, frischer gegrillter Tintenfisch am Mittag und abends eine ordentliche Portion Tapas, während man den Leuten beim Flanieren zuschaut.

Abende mit San Miguel und Live-Musik

Die Nächte in Es Canar haben rein gar nichts mit den dröhnenden Basslines von Playa d’en Bossa zu tun. Sobald es dunkel wird, übernehmen die Hotelanlagen und die Pubs entlang der Avenida. Im großen Komplex an der Punta Arabí und in den angrenzenden Bars gibt es das volle Unterhaltungsprogramm: von der ambitionierten Flamenco-Show bis hin zum britischen Cover-Sänger, der Oasis-Songs auf der Gitarre spielt. Man sitzt mit einem kühlen San Miguel auf der Terrasse, spürt den Wind vom Meer und sieht zu, wie sich die Promenade langsam leert.

Handfeste Tipps für den Aufenthalt

  • Anreise: Viele Reiseblogs behaupten gern, Es Canar sei von Santa Eulària aus „gut zu Fuß“ zu erreichen. Das ist extrem optimistisch geschätzt, denn es sind fast fünf Kilometer entlang der Küste. Nehmen Sie lieber den Linienbus (L18A) oder das Wassertaxi. Wer mittwochs mit dem Mietwagen anreist: Die offiziellen kostenlosen Parkplätze sind meist schon um 9:30 Uhr restlos belegt. Rechnen Sie damit, auf einem der staubigen Felder der örtlichen Bauern parken zu müssen, was pauschal 5 Euro in bar kostet.
  • Unterkünfte: Die Bandbreite ist groß. Es gibt weitläufige All-inclusive-Bunker mit ganztägiger Pool-Animation, aber eben auch kleine, seit Jahrzehnten familiengeführte Hostals in den Nebenstraßen, wo die Zimmer etwas einfacher, die Besitzer dafür umso herzlicher sind.
  • Strategie: Nutzen Sie Es Canar als entspannte Basis. Die Busverbindungen nach Santa Eulària sind verlässlich, und von dort aus kommen Sie fast überall auf der Insel hin. Den Markt nehmen Sie mittwochs einfach direkt nach dem Frühstück mit, bevor die großen Reisebusse aus San Antonio anrollen.

Es Canar wird oft auf seinen wöchentlichen Markt reduziert. Wer sich jedoch auf den Rhythmus des Ortes einlässt, schätzt bald genau diese unaufgeregte Routine zwischen morgendlichem Kaffee, flachem Meerwasser und lauen Abenden an der Promenade.

Fotografie: UnFUG-Fabi, via Wikimedia Commons