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Eivissa jenseits der Club-Mythen: Ein ehrlicher Guide für Ibiza-Stadt

Zwischen Katerstimmung und Cortado: Das echte Eivissa

Ibiza-Stadt – oder Eivissa, wie die Katalanen sagen – schlägt einem oft direkt beim Aussteigen aus dem L10-Flughafenbus entgegen. Es ist eine intensive Mischung aus salziger Hafenluft, den Abgasen von hunderten Motorrollern und dem teuren Parfüm der Leute, die gerade vom späten Frühstück in der Marina kommen. Vergessen Sie die Hochglanzbroschüren, die von makellosen Kontrasten schreiben. Die Inselhauptstadt ist laut, manchmal anstrengend, unverschämt teuer und im nächsten Moment so unfassbar charmant, dass man ihr alles verzeiht.

Wer hier nur zum Feiern herkommt, verpasst den eigentlichen Rhythmus der Stadt. Die besten Momente erlebt man in der Zwischenzeit – wenn die Promoter am Hafen noch schlafen und die Einheimischen in den engen Gassen ihre Wäsche über die schmiedeeisernen Balkone hängen.

Dalt Vila: Treppen, Schweiß und weite Blicke

Der Weg in die historische Festungsstadt Dalt Vila beginnt unweigerlich am massiven Portal de ses Taules. Der Aufstieg über das jahrhundertealte Kopfsteinpflaster ist steil und von den Millionen Schritten glatt poliert – wer hier mit Flip-Flops hochläuft, bereut es spätestens an der ersten Kehre. Sparen Sie sich den Aufstieg in der Mittagshitze. Wenn Sie im Sommer hier sind, klettern Sie erst gegen 19 Uhr nach oben. Dann brennt die Sonne nicht mehr so aggressiv auf die hellen Steine, und Sie schwitzen Ihr Hemd nicht komplett durch.

Ganz oben warten die Catedral de Eivissa und das Museu d’Art Contemporani (MACE). Noch spannender als die offiziellen Sehenswürdigkeiten sind aber die schmalen Seitengassen abseits der Hauptwege, wo das echte Leben stattfindet. Ein ehrlicher Tipp aus eigener Erfahrung: Kaufen Sie Ihr Wasser unten in der Stadt für einen Euro im Supermarkt. Sobald Sie die Festungsmauern passieren, verlangen die Kioske gern mal drei bis vier Euro für eine kleine Plastikflasche.

Sa Penya und Sa Marina: Das Viertel der zwei Gesichter

Direkt unterhalb der Festungsmauern liegen die alten Fischer- und Hafenviertel Sa Penya und Sa Marina. Tagsüber schieben sich hier Touristen durch die Gassen, trinken völlig überteuerte frisch gepresste Säfte und stöbern in den Boutiquen rund um die Carrer d’Enmig. Aus den kleinen Lokalen riecht es nach Knoblauch, Calamari und heißem Frittierfett.

Das legendäre Café Croissant Show am Rande des alten Marktplatzes ist der beste Ort, um morgens das Treiben zu beobachten. Hier sitzen übriggebliebene Clubgänger mit Sonnenbrille direkt neben Rentnern, die ihren Café con Leche trinken. Sobald die Sonne untergeht, mutiert besonders die Carrer de la Mare de Déu zur schrillen Laufsteg-Meile mit Drag-Queens, lauter Musik und Bars, die ihre winzigen Tische bis auf die Straße schieben.

Marina Botafoch: Die andere Seite des Hafens

Blickt man von Sa Marina über das Wasser, sieht man die Luxusjachten der Marina Botafoch. Sie können die Bucht in etwa 25 Minuten zu Fuß umrunden – was im Juli eine staubige, schweißtreibende Angelegenheit entlang einer viel befahrenen Straße ist. Cleverer ist es, die kleinen Holzfähren, die Barcas de Talamanca, zu nehmen. Für knapp 4 Euro pro Strecke setzen sie direkt über das Hafenbecken über. Die Boote fahren zwar nach einem Fahrplan, der eher als grobe Empfehlung verstanden wird, aber sie tuckern zuverlässig hin und her.

Drüben angekommen, ändert sich das Preisniveau drastisch. Hier kostet der Aperol Spritz auf der Promenade schnell mal 18 Euro. Dafür hat man von hier drüben den ungestörtesten Blick auf die abendlich beleuchtete Festung von Dalt Vila, während nebenan die Jacht-Crews die Decks schrubben.

Die Nacht: Weniger Underground, mehr Hochglanz

Machen wir uns nichts vor: Die Zeiten der unregulierten Hippie-Partys in Eivissa sind lange vorbei. Das Nachtleben ist heute eine perfekt geölte Maschine. Wer ins weltberühmte Pacha will, das nur wenige Gehminuten von der Marina entfernt liegt, zahlt an der Tür in der Hochsaison gut und gerne 70 bis 100 Euro Eintritt – Getränke natürlich nicht inklusive. Das Lío nebenan lockt mit einer fantastischen Cabaret-Show, verlangt aber einen Mindestverzehr, bei dem man zweimal schlucken muss.

Ignorieren Sie die unzähligen Promoter, die Ihnen am Hafen die angeblich exklusiven VIP-Bändchen andrehen wollen. Suchen Sie sich stattdessen eine kleine Bar in Sa Penya, bestellen Sie einen Hierbas (den lokalen Kräuterlikör) auf Eis und lassen Sie den Abend dort starten, wo die Drinks noch bezahlbar und Gespräche in normaler Lautstärke möglich sind.

Was Sie vor Ort wirklich wissen müssen

  • Vom Flughafen in die Stadt: Der Bus der Linie L10 kostet 3,60 Euro und fährt direkt ins Zentrum. Er ist oft knüppelvoll, aber die Taxischlange am Flughafen (IBZ) kann im August locker eine Stunde Wartezeit bedeuten. Ein Taxi nach Eivissa kostet regulär etwa 20 bis 25 Euro.
  • Bargeld & Geldautomaten: Machen Sie einen großen Bogen um die blau-gelben „Euronet“-Automaten, die an jeder Ecke in Sa Marina aus dem Boden schießen. Sie berechnen horrende Gebühren (oft 4 bis 5 Euro). Suchen Sie sich einen Automaten einer echten spanischen Bank wie der CaixaBank oder Banca March.
  • Die Sache mit dem Gepäck: Wenn Sie ein nettes Boutique-Hotel in Dalt Vila gebucht haben, stellen Sie sich darauf ein, Ihren Koffer selbst über Hunderte Meter Kopfsteinpflaster und steile Treppen zu zerren. Taxis dürfen in die engen Gassen der Altstadt schlichtweg nicht hineinfahren.
  • Wann Sie fliegen sollten: Ende September bis Mitte Oktober. Das Meer ist aufgewärmt, die Closing-Partys laufen auf Hochtouren, aber man bekommt in den Restaurants in Eivissa endlich wieder ohne vorherige Reservierung einen Tisch.

Eivissa muss man sich ein wenig erarbeiten. Wer nur an der Oberfläche kratzt, sieht nichts als teure Yachten und überfüllte Bars. Wer aber morgens um acht durch die noch leeren Gassen zum Hafen schlendert, während die Lieferwagen hupen und die Stadt langsam blinzelnd erwacht, versteht genau, warum man den Sommer nirgendwo anders verbringen möchte.