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Santa Eulària des Riu: Ibizas entspannte Ostküste im Detail

Wenn man auf der Landstraße L-13 von Ibiza-Stadt nach Norden fährt, ändert sich spätestens am Ortsschild von Santa Eulària des Riu das Tempo der Insel. Wer hier sein Quartier aufschlägt, sucht keine VIP-Tische im Pacha, sondern echte ibizenkische Kleinstadt-Atmosphäre. Santa Eulària ist die drittgrößte Stadt der Insel und hat etwas, das sonst niemand auf den Balearen bieten kann: einen Fluss. Auch wenn der Riu de Santa Eulària im Hochsommer oft eher an einen schilfbewachsenen Bach erinnert, sorgt er für ein erstaunlich grünes Mikroklima in den sonst so trockenen Gassen.

Schweißtreibend aber lohnend: Der Puig de Missa

Man kann den Puig de Missa nicht übersehen. Der gut 50 Meter hohe Hügel wird von einer massiven, strahlend weiß gekalkten Wehrkirche aus dem 16. Jahrhundert gekrönt. Mein Tipp: Sparen Sie sich den Aufstieg zu Fuß für den späten Nachmittag auf. In der flirrenden Mittagssonne des Juli zieht sich der steile Weg über die kopfsteingepflasterten Gassen extrem in die Länge. Oben angekommen, blickt man direkt über die Dächer bis auf das tiefblaue Mittelmeer. Direkt neben der Kirche liegt das Museu Etnològic in einem traditionellen, verwinkelten Bauernhaus. Für knapp 3 Euro Eintritt bekommt man hier zwischen alten landwirtschaftlichen Geräten, dicken Steinmauern und historischen Trachten einen ziemlich guten Eindruck davon, wie hart das Leben auf Ibiza vor dem großen Tourismus-Boom war.

Vom Rathausplatz zur Marina

Das Zentrum dreht sich um die von Bäumen gesäumte Hauptstraße Calle San Jaime und die Plaza de España mit dem alten Rathaus. Hier sitzen morgens die Einheimischen beim Cortado zusammen und lesen die Zeitung. Folgt man den Gassen Richtung Wasser, landet man unweigerlich auf dem Paseo Marítimo. Die kilometerlange, palmengesäumte Uferpromenade ist komplett autofrei – ein echter Segen, wenn man dem typischen dröhnenden Inselverkehr entkommen will.

Der Weg führt direkt am breiten Stadtstrand entlang bis zur modernen Marina, wo die Millionen-Yachten im Hafenbecken schaukeln. Ein Aperol Spritz zum Sonnenuntergang in einer der vordersten Bars kostet hier schnell mal 14 bis 16 Euro, aber die Kulisse entschädigt für den Preis. Einziges Manko an diesem Ende der Stadt: Wer im August versucht, rund um die Marina einen legalen Parkplatz für den Mietwagen zu finden, braucht starke Nerven. Die wenigen Ticketautomaten an der Straße nehmen oft nur Münzen und sind chronisch defekt.

Staub, Räucherstäbchen und Leder: Die Hippiemärkte

Von Santa Eulària aus ist man mit dem Auto in unter 15 Minuten bei den bekanntesten Märkten der Insel. Auch wenn der Begriff „Hippie“ heute oft eher ein kommerzielles Label ist, gehört die Atmosphäre einfach zur Ostküste dazu:

  • Punta Arabi (Es Canar): Jeden Mittwoch von April bis Oktober verwandelt sich das Gelände in ein Labyrinth aus Hunderten weißen Zelten. Es ist der größte Markt Ibizas. Kommen Sie unbedingt vor 10:30 Uhr. Danach schieben sich dichte Touristenmassen durch die engen Gänge, und die Parkplatzsuche (rechnen Sie mit etwa 4 bis 5 Euro Gebühr auf den angrenzenden staubigen Feldern) wird zur Geduldsprobe.
  • Las Dalias (Sant Carles): Mein persönlicher Favorit. Jeden Samstag das ganze Jahr über gibt es hier Handgemachtes, viel fließende Kleidung und massiven Silberschmuck. Die Stimmung im Garten unter den von Weinranken überdachten Ständen ist dichter und authentischer. Im Hochsommer lohnt sich der entspanntere Night Market an Montag- und Dienstagabenden – bei Live-Musik und deutlich angenehmeren Temperaturen.

Buchten-Hopping und Bullit de Peix

Der feinsandige Stadtstrand von Santa Eulària ist überraschend sauber und reicht für den schnellen Sprung ins Wasser völlig aus. Wer es rauer und natürlicher mag, fährt ein paar Kilometer weiter nördlich. Die Cala Llenya bietet einen breiten Sandstrand, der von schattigen Pinien gesäumt wird, während die winzige Cala Mastella eher aus Felsen, Seegras und kristallklarem Wasser besteht.

In der Cala Mastella versteckt sich auch eine absolute Institution: Das rustikale Fischlokal El Bigotes. Wer hier den traditionellen Fischeintopf (Bullit de Peix) direkt am Wasser essen will, kann nicht einfach spontan vorbeikommen. Es gibt keine normale Speisekarte, gegessen wird, was die Fischerboote bringen, und Reservierungen sind oft Wochen im Voraus nötig.

Dass Santa Eulària bei deutschen Auswanderern extrem beliebt ist, merkt man an der Infrastruktur. In einigen Bäckereien im Zentrum bekommt man anstandsloses Sauerteigbrot, und viele Geschäfte sind zweisprachig beschildert. Trotzdem dominiert in den Seitenstraßen die spanische Tapas-Kultur. Wenn Sie am späten Abend in einer kleinen, unprätentiösen Bar sitzen, eine Portion Pimientos de Padrón bestellen und das Summen der Kleinstadt hören, wissen Sie genau, warum dieser Teil der Insel seinen ganz eigenen, unaufgeregten Rhythmus hat.

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