Wenn man im Hochsommer über die staubigen Landstraßen im Süden Ibizas fährt, lässt man den Lärm von San Antonio schnell hinter sich. Es Cubells ist kein Ort, in dem man zufällig landet. Es gibt hier keine Durchgangsstraße, keine Souvenirshops mit überteuerten Magneten und keine Promoter, die einem Flyer für die nächste Clubnacht in die Hand drücken. Die Straße endet hier buchstäblich an einer Klippe. Und genau diese raue, unaufgeregte Isolation macht das Dorf zu einem der wenigen echten Rückzugsorte, die der Süden der Insel noch zu bieten hat.
Ankunft am Ende der Straße
Der Weg dorthin verlangt ein wenig Geduld. Von Sant Josep aus windet sich die schmale PMV-803-1 durch dichte Pinienwälder hinab. Wer hier im August unterwegs ist, muss aufpassen: Ständig tauchen Rennradfahrer oder breite SUVs auf, die in den unübersichtlichen Kurven viel Platz brauchen. Das Dorfzentrum selbst ist nach einer Kurve plötzlich da und besteht im Grunde aus 200 Metern Asphalt, die direkt auf die Kirche zuführen. Parkplätze sind Mangelware. Als ich letzten September am späten Nachmittag ankam, musste ich den Mietwagen gut hundert Meter oberhalb des Dorfes halb in den roten Staub am Straßenrand quetschen, um überhaupt stehen zu können.
Die Kirche am Abgrund
Der Mittelpunkt von Es Cubells ist die schneeweiße Kirche Mare de Déu del Carme. Sie steht so nah am Abgrund, dass man fast fürchtet, sie könnte beim nächsten starken Sturm ins Meer rutschen. Der kleine gepflasterte Vorplatz ist schlicht, bietet aber einen Ausblick, der einen sofort verstummen lässt. Man steht an einer niedrigen Steinmauer und blickt gut hundert Meter fast senkrecht in die Tiefe auf das Mittelmeer. Kommen Sie am besten gegen 19 Uhr. Die Sonne versinkt hier zwar nicht fotogen direkt im Wasser – dafür ist die Klippe falsch ausgerichtet –, aber das indirekte Abendlicht taucht die massiven roten Felsen der Küste in ein fantastisches, weiches Orange.
Der steile Weg ans Wasser
Links von der Kirche führt ein unscheinbarer, asphaltierter Weg hinab zur Cala Es Cubells. Der etwa 15-minütige Abstieg lohnt sich, wenn Sie keine Lust auf organisierte Liegestuhl-Reihen haben. Unten erwartet Sie eine schmale, felsige Bucht. Das Wasser ist hier oft klarer und spürbar kühler als an den flachen Sandstränden im Osten. Ein gut gemeinter Rat: Packen Sie unbedingt Badeschuhe ein. Die runden Kiesel am Ufer sind extrem rutschig, und barfuß ins Wasser zu balancieren, ist eine echte Qual. Denken Sie auch daran, dass der Rückweg bergauf in der Nachmittagshitze ohne Schatten verläuft und einem garantiert den Schweiß auf die Stirn treibt.
Zwei völlig unterschiedliche Küchen
Es gibt in und um Es Cubells nur eine Handvoll Optionen, um etwas zu essen, aber die haben es in sich.
- Restaurant Es Cubells: Eine absolute Institution direkt an der Kirche. Vorn an der Straße trinkt man einen Cortado für faire 1,80 Euro neben den einheimischen Handwerkern. Auf der hinteren Terrasse mit Meerblick wird es teurer: Hier bestellt man am besten den fangfrischen Fisch. Eine Portion Bullit de Peix (der traditionelle ibizenkische Fischeintopf) kostet hier schnell 35 bis 40 Euro pro Person, schmeckt aber nirgendwo an der Südküste authentischer.
- Can Berri Vell: Wer abends eine etwas feinere Atmosphäre sucht, fährt vom Dorf aus etwa 15 Minuten zurück ins benachbarte Sant Agustí. Versteckt in einem charmanten Landhaus aus dem 17. Jahrhundert, sitzt man hier unter Weinreben. Die Küche ist eine sehr gelungene Fusion aus mediterranen und modernen Gerichten. Ohne vorherige Tischreservierung brauchen Sie hier zwischen Juni und September allerdings gar nicht erst aufzutauchen.
Mauern, Kameras und Diskretion
Es Cubells hat den Ruf, das Versteck der wirklich Reichen und Prominenten auf Ibiza zu sein. Das stimmt, aber man sieht sie im Dorfleben praktisch nie. Was man sieht, sind meterhohe Natursteinmauern, unzählige Überwachungskameras und schwere, schwarze Geländewagen mit getönten Scheiben. Die eigentlichen Luxusvillen kleben extrem gut getarnt an den steilen Hängen rechts und links des Ortes. Man spürt das Geld hier oben nicht durch laute Champagner-Partys, sondern durch die teuer erkaufte, absolute Stille.
Praktische Realität für den Besuch
Vergessen Sie öffentliche Verkehrsmittel. Die Buslinie 42 fährt theoretisch hierhin, aber die Fahrpläne scheinen oft eher grobe Empfehlungen zu sein. Ein eigener Mietwagen oder Roller ist Pflicht. Mit dem Taxi kommen Sie zwar aus Sant Josep für etwa 15 bis 20 Euro problemlos hin, aber abends ein leeres Taxi für die Rückfahrt abzufangen, grenzt an ein Wunder. Noch ein nerviges Detail, das Sie wissen sollten: Der einzige Geldautomat direkt an der Straße verlangt unverschämte 3,95 Euro Gebühr für Behebungen mit fast allen Karten. Bringen Sie Ihr Bargeld also besser schon aus der Stadt mit.
Kombinieren Sie den Trip am besten mit einem Vormittag an der nahen Cala Jondal. Wenn Sie dort genug von den lauten Beach-Clubs und den wummernden Bässen haben, fahren Sie am späten Nachmittag die paar Kilometer weiter nach Es Cubells. Setzen Sie sich auf die Mauer an der Kirche, hören Sie dem Wind zu und genießen Sie das Gefühl, am ruhigen Ende der Insel angekommen zu sein.
Fotografie: Ladislaus Hoffner, via Wikimedia Commons
