Wenn man die PM-810 von Sant Joan de Labritja immer weiter nach Norden fährt, verschwinden die Mega-Clubs und die überfüllten Beach-Bars irgendwann im Rückspiegel. Portinatx war früher ein isoliertes Fischerdorf und ist heute ein Ferienort, der den Spagat zwischen komfortabler Infrastruktur und echter Ruhe ziemlich gut hinbekommt. Besonders im späten September, wenn die größte Sommerhitze weicht und die Straßen leerer werden, zeigt sich hier ein Ibiza, das viele gar nicht mehr auf dem Schirm haben.
Drei Strände, keine Kompromisse
Der Ort teilt sich im Grunde auf drei Sandbuchten auf. Der Hauptstrand, der Playa Puerto (oft auch S’Arenal Gros genannt), liegt direkt im Zentrum. Das Wasser fällt hier extrem flach ab – wer mit kleinen Kindern reist, hat hier kaum Stress. Allerdings sind die Liegen in der Hochsaison schnell vergeben. Rechnen Sie aktuell mit gut 20 bis 25 Euro für zwei Liegen plus Schirm. Ein paar Gehminuten über die Promenade liegt der S’Arenal Petit. Er ist schmaler und oft ein wenig ruhiger. Aber Vorsicht: Die Parkplatzsuche im Juli und August ist in dieser Ecke ein echtes Geduldsspiel; oft bleibt nur der staubige Straßenrand weit oberhalb der Bucht.
Ganz am Ende der Halbinsel wartet schließlich der Playa Es Port. Die Bucht schneidet tief ins Land ein, das Wasser ist fast immer wellenlos. Wer gerne schnorchelt, sollte sich an die felsigen Ränder halten, dort sieht man auf dem sandigen Grund tatsächlich noch intakte Fischschwärme.
Ein wenig glamouröser Praxistipp: Heben Sie unbedingt vorher in einer richtigen Bank in Eivissa oder Santa Eulària Bargeld ab. Die freistehenden Geldautomaten an der Promenade in Portinatx verlangen unverschämte Gebühren von teilweise über vier Euro pro Abhebung.
Wandern zwischen Pinien und spitzen Felsen
Wer nur am Strand liegt, verpasst das eigentliche Highlight der Nordküste. Die Landschaft hier oben ist wild und karg. Ein absoluter Klassiker ist der Weg zum Leuchtturm von Portinatx (Far de Punta Moscarter). Der Turm mit seinen markanten schwarz-weißen Streifen ist zwar schon von Weitem zu sehen, aber der Weg dorthin hat es in sich. Vergessen Sie Flip-Flops – der Pfad führt über scharfkantige Vulkanfelsen. Mit festen Schuhen ist man in gut 30 bis 40 Minuten am Ziel. Wenn Sie gegen 19:30 Uhr losgehen, haben Sie rechtzeitig zum Sonnenuntergang den besten Platz der Insel, ganz ohne die Menschenmassen von San Antonio.
Eine kurze Autofahrt in Richtung Westen bringt Sie zur Cala Xarraca. Der Geruch von warmen Piniennadeln liegt hier fast greifbar in der Luft, das Wasser ist tief und spürbar kühler als direkt in Portinatx. Gleich daneben findet sich S’Illot des Renclí, ein winziges Felsinselchen. Bei Ebbe kann man fast trockenen Fußes hinüberlaufen. Das kleine Restaurant oben an der Straße serviert übrigens hervorragenden frischen Fisch, auch wenn die schlichten Stühle auf den ersten Blick nicht nach großer Küche aussehen.
Der unaufgeregte Alltag in Portinatx
In Portinatx ticken die Uhren langsamer. Es gibt ein paar Supermärkte für das Nötigste (die Preise für Sonnencreme sind wie überall auf der Insel gesalzen) und kleine Läden für Strandbedarf, aber Sie werden hier vergeblich nach Designer-Boutiquen suchen. Abends sitzt man in den Restaurants an der Bucht. Man bekommt hier solide, ibizenkische Hausmannskost, fangfrischen Fisch, aber eben auch das Standard-Schnitzel. Die Atmosphäre ist angenehm unaufgeregt. Viele Briten und Deutsche haben in den Hügeln kleine Zweitwohnsitze, man grüßt sich morgens beim Bäcker.
Was man abseits der Sonnenliege tun kann
- Wandern: Die Küstenpfade in Richtung Osten sind gut markiert, aber nehmen Sie im Hochsommer mindestens zwei Liter Wasser pro Person mit – Schatten ist auf den Klippen absolute Mangelware.
- Bootsausflüge: Am Strand kann man sich kleine Motorboote mieten, oft sogar ohne Führerschein. Es lohnt sich extrem, um die versteckten Höhlen der Nordküste vom Wasser aus abzufahren oder in Richtung Cala de San Vicente zu schippern.
- Die Fiesta im August: Wer Mitte August hier ist, stolpert unweigerlich in die Fiesta Patronal. Es ist laut, es gibt reichlich Hierbas (den lokalen Kräuterlikör) in Plastikbechern, und das Feuerwerk über der Bucht ist herrlich authentisch.
- Tauchen: Es gibt eine etablierte Tauchschule direkt vor Ort. Die Sichtweiten im klaren Wasser des Nordens sind meiner Erfahrung nach oft besser als an den überlaufenen Stränden im Süden.
Praktische Tipps für die Reiseplanung
Um den Norden wirklich auszukosten, ist ein Mietwagen fast Pflicht. Die Busverbindungen (etwa die Linie 20 nach Ibiza-Stadt) existieren zwar, sind aber besonders an den Wochenenden berüchtigt für ihre Unpünktlichkeit, und die Fahrten ziehen sich endlos hin. Mit einem eigenen Auto können Sie morgens in Ruhe in Portinatx schwimmen und am Nachmittag die kleinen Dörfer im Inselinneren erkunden.
Portinatx ist kein Ort für Nachteulen. Die Bürgersteige werden hier vergleichsweise früh hochgeklappt. Wer aber morgens um acht Uhr bei spiegelglattem Wasser in die Bucht springen möchte, ohne über Reste der letzten Strandparty stolpern zu müssen, ist hier genau richtig.
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Fotografie: Biblioteca de la Facultad de Empresa y Gestión Pública Universidad de Zaragoza from Huesca, España, via Wikimedia Commons
